Ich habe mich nach neun Monaten entschlossen, meine Islandreise aus dem Februar 2020 auf meine Internetseite zu stellen. Somit schreibe ich rückblickend...

 

Zum vierten Mal seit 2014 zog es mich auf diese unglaubliche Insel. Also war alles wie immer? Eigentlich nicht! Es war sogar alles ganz anders. Das erste Mal fuhr ich die bekannten Wege und natürlich auch die neuen, die es bei jeder Islandreise gibt, alleine ab. Sich durch das Wetter zu kämpfen, sich nur auf sich selbst verlassen zu können oder müssen, war eine neue Erfahrung für mich. Das Schöne vor Ort nicht teilen zu können aber auch. Außerdem war das Wetter im Verhältnis zur Winterreise 2016 wesentlich extremer. Danach wusste ich, was Wind ist...

 

Warum eigentlich immer Island und hat man nicht irgendwann alles gesehen? 

Viele Hotspots fahre ich natürlich jedes Mal ab. Gerade im Süden fährt man an diesen zwangsläufig vorbei. Es gibt Orte, die müssen einfach immer dabei sein, weil sie so eine Aura haben, dass man sie immer wieder aufs Neue erleben möchte. Island verkörpert für mich die pure Sehnsucht nach Vertrautem und Abenteuer. Auf Island kannst du dir nie sicher sein, dass sich nicht alles von jetzt auf gleich ändert. Das mag übertrieben klingen, ist aber so. Diese raue Natur und vor allem, dieses Licht. Island ist Licht in jeder denkbaren Facette und mit jeder Nuance, die sich das Licht ändert, ändert sich die wunderbare Insel. Somit kann ein Besuch gar nicht wie der andere sein.

 

 

Tag 01 - 12.02.2020

 

Diesmal ging der Flug zur Mittagszeit von München aus. Das hatte den großen Vorteil, Freunde zu treffen, die ich viel zu selten sehe und natürlich, dass man persönlich am Flughafen abgegeben wurde. Die Tage zuvor waren durchweg windig und ein Sturm nach dem nächsten zog über Deutschland. Da wurde das Schauen auf die Wetterapp schon fast zur Sucht.

 

Der Flug war dann glücklicherweise recht ereignisarm, was in Verbindung mit dem Fliegen immer positiv ist. Etwas mulmig wurde mir, als mich bei der Übergabe des Mietwagens der Angestellte darauf hinwies, dass der Freitag ein "stay in day" wird. Es waren Orkanböen bis 250 km/h angesagt und man befürchtete schon den stärksten Sturm, der jemals über Island hinweggezogen ist. Zum Glück hatte ich für den Tag keine Weiterfahrt in die nächste Unterkunft geplant. Somit konnte ich das Megaereignis erst einmal auf mich zukommen lassen. 

 

Das nächste mulmige Gefühl kam in mir hoch, als mir gesagt wurde, dass mein Auto keine Spikes hätte. Mir wurde versichert, dass die Reifen bei jedem Wetter super wären und Spikes eigentlich keinen Vorteil brächten. Naaaajjjjaaaa....

 

Von Keflavik bin ich dann, nur durch einen kurzen Einkaufsstopp in Reykjavik unterbrochen, direkt nach Stykkisholmur gefahren, um dort mein Quartier direkt am Hafen zu beziehen. Da Island schon zu zweit eine finanzielle Herausforderung ist, musste ich mir alleine schon genau überlegen, wo ich übernachten konnte. Das kleine Zimmer war sehr praktikabel und die meiste Zeit verbrachte ich eh außerhalb.

 

Die erste Nacht war sternenklar und damit auch arschkalt. Ich spazierte mittelleicht bekleidet zum Hafen und erspähte einen kleinen Hügel mit Leuchtturm. Oben angekommen merkte ich schnell, dass ich doch etwas leichtsinnig in der Wahl meiner Sachen gewesen bin und vor allem, dass ich das falsche Objektiv auf der Kamera hatte. Im Reisegepäck für den Urlaub war diesmal eine Canon EOS R, das RF 50 1.2, das Sigma 14-24 2.8 und das gute alte Canon 70-200 2.8 II. Damit erschlägt man eigentlich alles. Da es eine herrliche Sternennacht war, entschloss ich mich, noch einmal ins Zimmer zu gehen und das Weitwinkel zu holen. Das nutzte ich auch gleich, um mich ordentlich warm anzuziehen und meine Kopflampe mit einzupacken.

 

Wieder oben angekommen, fiel mir in der beißend windigen Kälte gleich der Objektivdeckel irgendwo auf den Boden. Es dauert eine ganze Weile, bis ich ihn wiedergefunden hatte, da der Wind ihn ordentlich bergab rollen ließ. Ich hatte mich schon damit abgefunden, ohne ihn durch Island zu reisen. Beim Fotografieren des Sternenhimmels machte sich ein grüner Streifen am Horizont bemerkbar. In der ersten Nacht Polarlichter.... Das konnte doch gar nicht möglich sein. War es aber. Irgendwie war es wie zu Hause ankommen und gleich in den Arm genommen werden...

Tag 02 - 13.02.2020

 

Viele denken, dass auf Island im Winter totale Dunkelheit herrscht. Das ist nicht so. Zur Wintersonnenwende liegen zwischen Sonnenaufgang und -untergang etwas über 4 Stunden. Innerhalb der 14 Tage, die ich auf Island war, hat sich die Spanne von knapp 8 Stunden auf 9,5 Stunden verlängert. Man hat also genügend Zeit, um bei Tageslicht unterwegs zu sein. Die Sonne ging erst gegen 9:30 auf. Dadurch bekommt man die tolle Morgenstimmung mit, ohne sonst wie früh aufstehen zu müssen. Auch wenn ich in der letzten Zeit nicht mehr so lange schlafe (das Alter?!), kommt mir das dennoch sehr entgegen. Mir fällt es immer schwer, für das richtige Licht vor meiner eigentlichen Aufstehzeit aus dem Bett zu kriechen. Da schlaf ich doch lieber aus. 

 

Snaefellsnes ist der perfekte Einstieg in jeden Island Urlaub. Die kleine Halbinsel ist so abwechslungsreich, dass man einen Vorgeschmack auf die restliche Insel bekommt. Im Winter 2016 war Island mit einer dicken Schneedecke überzogen und die Temperaturen lagen bei zweistelligen Minusgraden. Diesmal war es auch verschneit, aber noch so, dass man die Strukturen der Berge und der restlichen Landschaft erkennen konnte. Man konnte somit auch mal abseits der Straße langstiefeln, ohne Gefahr zu laufen, in einer riesigen Schneewehe oder in einem Eisloch zu verschwinden. Das machte ich mir auch immer wieder zu nutze. 

 

Der Tag war vom Wetter perfekt. Die Sonne hat zu dieser Zeit eine fantastische gelbe Farbe und taucht somit auch die Grasbüschel in ein tolles Licht. Zum Ende des Tages merkte man langsam, was am nächsten Tag wettertechnisch auf einen zukommen könnte. Am westlichen Ende der Halbinsel steht ein Leuchtturm in grandioser Kulisse. Dort fing der Wind dann schon ordentlich an zu blasen, so dass ich für die 30 Sekunden Langzeitbelichtung das Stativ beschweren musste, damit es nicht umfällt oder die Bilder verwackeln.

 

Im Gemeinschaftsbad, was aber scheinbar außer mir keiner weiter nutzte, fiel mir gleich wieder mein Lieblingsbadutensil in die Augen. Der Duschvorhang. Die Duschkabine war wirklich groß, doch sobald man das warme Wasser durch die Leitung fliesen ließ, schmiegte sich dieses schimmlige Monster gegen meinen Körper. Dies inspirierte mich dann zu folgende Zeilen:

 

Der Duschvorhang.

 

Im Bad ein viel gesehener Gast.

Doch allzu oft wird er gehasst.

Wenn´s heiße Nass zum Körper dringt.

Die kalte Luft nach Ausgleich ringt.

Schmiegt er sich lautlos an dich ran.

Der schimmlig feuchte Duschvorhang.

Tag 03 - 14.02.2020

 

Da war er nun der Tag des Sturms und ich muss zugeben, es war ein gewaltiges Naturschauspiel. Ich bin früh nach dem Aufstehen gleich einmal zum Hafen gelaufen, um zu schauen, was so geht. Natürlich waren die Kamera und das Stativ mit dabei. Die Wellen peitschten ordentlich über die Steinmauer. Ich musste mir zum Fotografieren eine windstille Ecke hinter einem Haus suchen, sonst wäre kein unverwackeltes Bild möglich gewesen. Die Straße am Hafen war dann auch komplett überschwemmt. 

 

Nach dem ersten Schwung an Bildern bin ich erst einmal wieder ins Hotel und habe gefrühstückt. Wenn man so einen Wind erlebt, weiß man auch, warum die Häuser auf Island eher pragmatisch, anstatt sonderlich beschaulich gebaut wurden. Bei uns wäre bei dem Wind alles mögliche durch die Luft geflogen. Bäume können ja auf Island eh nicht weiter umkippen. Alles andere war windsicher verbaut und stellte für Fußgänger keine Gefahr dar. Obwohl der Wind wirklich ordentlich durch Stykkisholmur blies, hatte ich nie das Gefühl, dass irgend etwas zu Bruch gehen könnte.

 

Zum Mittag hin bin ich dann noch einmal durch den Ort gelaufen. Mulmig wurde es mir nur, als ich auf einer Klippe über dem Ort stand und eine so heftige und langanhaltende Böe kam, dass mich der Wind auf dem Schotteruntergrund weggleiten lies. Da habe ich mich dann so schnell es möglich war, an das nahliegende Haus gepresst und mich langsam aus der Sturmlinie genommen. Damit wurden erhöhte Aussichtsplätze zum Fotografieren abgewählt.

 

Stykkisholmur war vom Sturm nicht ganz so schlimm betroffen. Dennoch erreichte der Sturm locker über 100 km/h und damit sind noch nicht einmal die Böen gemeint, die das Spektakel noch etwas aufregender gestalteten und immer mal wieder die eigene Laufrichtung beeinflussten. Der Sturm erreichte im Land bis zu 250 km/h. Da hatte ich es tatsächlich noch gut erwischt. Im Hotel nutzte ich die gewonnene Auszeit zum Kontakt mit weiteren Reisenden aus den USA, Frankreich und Markus aus dem Erzgebirge. Da die Straßen gesperrt waren, konnten alle nur abwarten, bis sich der Wind gelegt hatte. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen ist auch ein wichtiger Grund für meine Reiselust. Die meisten, die zu solchen Zeiten unterwegs sind, sind aufgeschlossen und man kommt schnell ins Gespräch.

 

Dieser Tag war wieder einmal eine besondere Erfahrung für mich.

Tag 04 – 15.02.2020

 

Der Sturm war vorüber. So konnte ich meine Fahrt Richtung Nord-Osten nach Skagaströnd fortsetzen. Skagaströnd ist ein kleines Fischerdorf und ich hatte es bis dahin auf meinen vorherigen Reisen nicht besucht. Auch wenn es nach all den Aufenthalten auf Island immer schwieriger wird, versuche ich, bei jeder weiteren Reise etwas Neues zu entdecken.

 

Die Fahrt begann etwas abenteuerlich, da die Straßen in Stykkisholmur vereist waren und ich, wie ich zu Beginn schrieb, keine Spikes bekommen hatte. Das Profil meiner Reifen war ordentlich tief. Somit hatte ich bei verschneiten Straßen keine Probleme. Sobald es aber eisig wurde, hatte ich schon etwas Bauchschmerzen. Kam zum Eis noch Wind dazu, welcher eigentlich immer vorhanden war, wurde es eine gefühlte Rutschpartie. Ich hatte immer ein wenig das Gefühl, dass ich mich von der Mitte der Fahrbahn weg in Richtung Straßengraben bewegte. Zum Glück bin ich, trotz des abenteuerlichen Wetters, unfallfrei durchgekommen.

 

Der Reisetag war bis zum frühen Abend herrlich. Ich hielt immer wieder am Straßenrand an und fotografierte Flüsse, Eisschollen, Berge, Schneefelder und was sonst noch so meinen Weg kreuzte. Da sich der Blick auf die grandiose Landschaft aller paar hundert Meter veränderte, war es schwierig, wirklich voranzukommen. Aber das gehört dazu, wenn man als fotoaffiner Tourist auf Island unterwegs ist. Die Zeit, die Google-Maps von A nach B berechnet, kann somit nur als ganz grobe Orientierung herangenommen werden, da man ganz schnell auch mal das doppelte an Zeit braucht.

 

Bevor ich nach Skagaströnd abbiegen wollte, fuhr ich zum Hvitsekur Basaltfelsen. Diesen hatte ich beim ersten Besuch 2014 schon gesehen und war total fasziniert. Es handelt sich dabei natürlich um einen versteinerten Troll. Die Geschichte lautet folgendermaßen:

 

„Im Jahre 1133 bauten einst Mönche ein Kloster, in dem sie friedlich lebten. Auf der gegenüberliegenden Seite in einer Bucht lebte ein Troll, der sich mit seinen neuen Nachbarn nicht anfreunden wollte. So ging er eines Nachts voller Wut zum Kloster und bewarf es mit Felsbrocken. Er war so sehr damit beschäftigt, das Kloster in Schutt und Asche zu legen, dass er immer weiter auf das Meer hinauslief. Unterdessen brach der Morgen an und die Sonne erhob sich über dem Horizont. Trolle verwandeln sich zu Stein, sobald sie dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Tollpatschig wie er war, bemerkte er nicht, dass die Nacht vorüber war. Die Sonnenstrahlen ließen den gemeinen Troll am Ufer zu Stein erstarren.“

 

Da der Wind langsam wieder stärker wurde, habe ich mein Fotoshooting mit Mister Steintroll recht spontan beendet. Das Licht war diesmal auch nicht ganz so schön. Wahrscheinlich war er so verärgert über meine geringe Aufmerksamkeit, dass er mir auf dem Weg nach Skagaströnd noch ordentliche Schneewehen über die Straße schickte. Man konnte teilweise von einer Markierung nicht bis zur nächsten schauen. Zum Glück waren die Straßen nicht ganz weiß, so dass man sich wenigstens am dunklen Asphalt orientieren konnte. Wenn alles weiß ist, ist die Gefahr groß, dass man mit der Richtung der Schneewehen von der Straße abkommt.

 

In Skagaströnd dachte ich anfangs, ich würde nicht ins Haus kommen. Es war schon wieder sehr windig und im Haus entstand so ein Unterdruck, dass die Eingangstür nicht aufgehen wollte. Nach einigen Versuchen merkte ich dann, dass man nur sehr kräftig an der Tür zerren musste, damit sie aufging. Im Haus selber wurde ich von einem Schweizer begrüßt, der schon einige Zeit auf Island lebte und sein Geld mit der Restauration von alten Gebäuden verdiente. Es ist immer wieder spannend, Menschen zu treffen, die mit einer komplett anderen Idee vom Leben durch dieses gehen. Für solche Begegnungen liebe ich das Reisen…

 

Tag 05 - 16.02.2020

 

Die Unterkunft in Skagaströnd verwöhnte mich mit einem tollen Blick über das Meer und über den Hafen. Ich frühstückte in Ruhe und erkundete noch ein wenig den Hafen. Versüßt wurde mir der Morgenspaziergang mit einem schönen Sonnenaufgang. Dadurch zog sich der morgendliche Erkundungstrip ordentlich in die Länge und die Bilderanzahl auf der SD-Karte schnellte in die Höhe. Über Nacht war es wärmer geworden und die eisigen Straßen zu perfekt gewässerten Eisbahnen. Bei meinem letzten Islandwintertrip hatte ich mir Überziehspikes geholt. Die sind auf Island tatsächlich überlebensnotwendig, wenn man außerhalb des eigenen Fahrzeugs auch einmal ein paar Meter laufen möchte. Kann ich jedem nur empfehlen, der vor hat, im Winter nach Island zu fliegen.

 

Ich war auf dem Weg ins Myvatn-Gebiet. Zwischen dem Myvatn und Husavik ist ein kleiner Bauernhof, den ich bei jedem meiner Aufenthalte besucht habe. Dort treffe ich auf Fredi und Ari. Ari hat schon bei unserem ersten Aufeinandertreffen 2014 gewusst, dass es nicht mein letzter Besuch sein sollte. Ich wollte zwei Nächte bei ihnen verbringen und wurde wie immer mit offenen Armen empfangen. Als Gastgeschenk bringe ich immer die großen Milka Schokoladentafeln mit. Die Freude darüber war nicht gespielt, so schnell wie die erste Tafel aufgerissen wurde. Ich bin mir auch sicher, dass die Schokolade nicht wirklich alt wird. Über die Jahre haben sie ihre Übernachtungsmöglichkeiten ausgebaut. Somit hatte ich einen Bungalow für mich alleine und war zum Frühstück und Abendbrot ins Haus eingeladen. Das ist immer wieder etwas besonderes für mich, die beiden zu besuchen. Es ist immer was los und bei allem Stress auf dem Bauernhof werde ich immer herzlich aufgenommen. 

 

Auf dem Weg zum Myvatn kommt man, wenn man die Insel im Uhrzeigersinn umfährt, zu einem meiner Lieblingsaussichtspunkte. Man hat einen Blick in ein weites Tal, welches von riesigen zerfurchten Bergen umrahmt ist. Es waren einige Wolken am Himmel, die immer wieder aufzogen und das Sonnenlicht hindurchstach. Ich liebe diese Aussicht egal zu welcher Jahreszeit. Dort verweile ich dann immer eine Weile und genieße diese unglaubliche Landschaft. 

 

Genuss in anderer Form hatte ich dann in Akureyri. Wie in vielen anderen Kaffees auf Island gibt es dort hervorragenden Kaffee und Kuchen. Ich konnte es mir auch dieses Mal nicht entgehen lassen und machte einen kurzen Stopp in der Stadt. Es hatte sich wieder gelohnt für Gaumen und Hüfte...

 

Der Fortschritt geht auch auf Island weiter. Es wurde auf dem Weg von Akureyri zum Myvatn ein neuer Tunnel errichtet, der gerade in dieser Jahreszeit sehr viel Zeit und auch Nerven spart. Ich kannte ihn bis dahin nicht und vor allem kannte ich das Abrechnungssystem nicht. Man fährt durch den Tunnel und hat danach 4 Stunden Zeit online die Gebühr dafür zu zahlen. Darauf wird man über Leuchttafeln bei der Durchfahrt des Tunnels irgendwie aufmerksam gemacht. Da ich dieses Abrechnungssystem noch nie zuvor irgendwo auf der Welt gesehen hatte, machte ich mir keinen Kopf weiter. Ist ja nicht so, dass es nicht auch kostenlose Tunneldurchfahrten auf Island gibt. Beim abendlichen Aufeinandertreffen erzählte ich begeistert vom neuen Tunnel. Ari fragte mich nur, wie lange mein Durchfahrt her sei. Dann erklärte er mir das System und dass ich nun einen kleinen Aufschlag als Strafe zu zahlen hätte. Fand ich natürlich super. Oftmals käme es wohl auch noch dazu, dass die Autovermietung eine Bearbeitungsgebühr draufschlagen würde. Das war aber zum Glück nicht der Fall. Wieder etwas gelernt.

 

Ansonsten fing es stark an zu schneien und ich konnte es mir im Bungalow gemütlich machen und den Abend ausklingen lassen.

Tag 06 - 17.02.2020

 

Eigentlich hatte ich vor, an diesem Tag ein wenig die Gegend abzufahren. Es gibt einiges zu sehen im Norden und meistens ist das Wetter wesentlich besser als im Süden der Insel. Beim letzten Besuch im Winter war es wolkenlos bei angenehmen -22 Grad. Diesmal entschloss sich der Wettergott, es ca. 20 Grad wärmer zu machen. Dafür schneite es fast die ganze Zeit mit so einem Wind, der einen richtig schön unter die Haut fährt, wenn man eine Weile draußen ist. Somit hatten sich der Myvatn, die heißen Quellen und der Godafoss erledigt. Man hätte beim Laufen in der Natur keinen Spaß gehabt und zum Fotografieren fehlte einfach Licht und Sicht.

 

Ich entschloss mich nach Husavik in das neugebaute Thermalbad zu fahren. Es hatte schon etwas, bei diesem ungemütlichen Wetter in einem der vier ca. 40 Grad warmen Becken zu sitzen und das Schneetreiben über sich ergehen zu lassen. Dabei musste man nur aufpassen, dass sich nicht zu viel vom Kopf außerhalb des Wassers aufhielt und der windigen Kälte ausgesetzt war. Ohne Wollmütze wäre das nicht auszuhalten gewesen. Aber so war es perfekt. Bis auf die Sekunden, die man brauchte, um vom Wasser wieder ins Gebäude zu gelangen. 

 

Viel bemerkenswertes passierte an diesem Tag dann auch nicht mehr. Ich kam mal wieder an komplett beleuchteten Gewächshäusern vorbei. Es war noch zu hell, um diese enorme Strahlkraft einzufangen, aber auch so war es interessant mit anzusehen, wie die Isländer ihren Überschuss an Energie in das Wachstum ihrer Pflanzen pumpten. 

 

Ansonsten gab es viel Schnee im Freien, Gemütlichkeit im Bungalow und Familienzeit mit den Gastgebern nebst Fredis Eltern. Ich liebe solche Momente, wenn man sich gegenseitig etwas erzählen möchte, aber beide eine andere Sprache sprechen und man sich dann doch verständigen kann. Wenn ich so erlebe, wie oft heutzutage Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, sich nicht mehr gegenseitig verständlich machen können, fragt man sich echt, was da falsch läuft. Fredis Vater hatte mir jedenfalls stolz seinen Bungalow gezeigt und seine Frau (also Fredis Mutter) hat ab und an, wenn es gar nicht ging, übersetzt.

 

Die Zeit, in der ich mal für mich alleine war, waren meine Kopfhörer und mein ebook mit Game of Thrones Lektüre meine Zeittotschläger. Geht schlimmer...

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Kommentare: 1
  • #1

    Petra (Dienstag, 01 Dezember 2020 20:55)

    Bewundernswert - die Reise ist ja schon ein paar Tage her, dass Du Dich jetzt noch zum Bericht aufraffen kannst. Wie immer sehr lesenswert. Und der Duschvorhang - lol.

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