Ich habe mich nach neun Monaten entschlossen, meine Islandreise aus dem Februar 2020 auf meine Internetseite zu stellen. Somit schreibe ich rückblickend...

 

Zum vierten Mal seit 2014 zog es mich auf diese unglaubliche Insel. Also war alles wie immer? Eigentlich nicht! Es war sogar alles ganz anders. Das erste Mal fuhr ich die bekannten Wege und natürlich auch die neuen, die es bei jeder Islandreise gibt, alleine ab. Sich durch das Wetter zu kämpfen, sich nur auf sich selbst verlassen zu können oder müssen, war eine neue Erfahrung für mich. Das Schöne vor Ort nicht teilen zu können aber auch. Außerdem war das Wetter im Verhältnis zur Winterreise 2016 wesentlich extremer. Danach wusste ich, was Wind ist...

 

Warum eigentlich immer Island und hat man nicht irgendwann alles gesehen? 

Viele Hotspots fahre ich natürlich jedes Mal ab. Gerade im Süden fährt man an diesen zwangsläufig vorbei. Es gibt Orte, die müssen einfach immer dabei sein, weil sie so eine Aura haben, dass man sie immer wieder aufs Neue erleben möchte. Island verkörpert für mich die pure Sehnsucht nach Vertrautem und Abenteuer. Auf Island kannst du dir nie sicher sein, dass sich nicht alles von jetzt auf gleich ändert. Das mag übertrieben klingen, ist aber so. Diese raue Natur und vor allem, dieses Licht. Island ist Licht in jeder denkbaren Facette und mit jeder Nuance, die sich das Licht ändert, ändert sich die wunderbare Insel. Somit kann ein Besuch gar nicht wie der andere sein.

 

 

Tag 01 - 12.02.2020

 

Diesmal ging der Flug zur Mittagszeit von München aus. Das hatte den großen Vorteil, Freunde zu treffen, die ich viel zu selten sehe und natürlich, dass man persönlich am Flughafen abgegeben wurde. Die Tage zuvor waren durchweg windig und ein Sturm nach dem nächsten zog über Deutschland. Da wurde das Schauen auf die Wetterapp schon fast zur Sucht.

 

Der Flug war dann glücklicherweise recht ereignisarm, was in Verbindung mit dem Fliegen immer positiv ist. Etwas mulmig wurde mir, als mich bei der Übergabe des Mietwagens der Angestellte darauf hinwies, dass der Freitag ein "stay in day" wird. Es waren Orkanböen bis 250 km/h angesagt und man befürchtete schon den stärksten Sturm, der jemals über Island hinweggezogen ist. Zum Glück hatte ich für den Tag keine Weiterfahrt in die nächste Unterkunft geplant. Somit konnte ich das Megaereignis erst einmal auf mich zukommen lassen. 

 

Das nächste mulmige Gefühl kam in mir hoch, als mir gesagt wurde, dass mein Auto keine Spikes hätte. Mir wurde versichert, dass die Reifen bei jedem Wetter super wären und Spikes eigentlich keinen Vorteil brächten. Naaaajjjjaaaa....

 

Von Keflavik bin ich dann, nur durch einen kurzen Einkaufsstopp in Reykjavik unterbrochen, direkt nach Stykkisholmur gefahren, um dort mein Quartier direkt am Hafen zu beziehen. Da Island schon zu zweit eine finanzielle Herausforderung ist, musste ich mir alleine schon genau überlegen, wo ich übernachten konnte. Das kleine Zimmer war sehr praktikabel und die meiste Zeit verbrachte ich eh außerhalb.

 

Die erste Nacht war sternenklar und damit auch arschkalt. Ich spazierte mittelleicht bekleidet zum Hafen und erspähte einen kleinen Hügel mit Leuchtturm. Oben angekommen merkte ich schnell, dass ich doch etwas leichtsinnig in der Wahl meiner Sachen gewesen bin und vor allem, dass ich das falsche Objektiv auf der Kamera hatte. Im Reisegepäck für den Urlaub war diesmal eine Canon EOS R, das RF 50 1.2, das Sigma 14-24 2.8 und das gute alte Canon 70-200 2.8 II. Damit erschlägt man eigentlich alles. Da es eine herrliche Sternennacht war, entschloss ich mich, noch einmal ins Zimmer zu gehen und das Weitwinkel zu holen. Das nutzte ich auch gleich, um mich ordentlich warm anzuziehen und meine Kopflampe mit einzupacken.

 

Wieder oben angekommen, fiel mir in der beißend windigen Kälte gleich der Objektivdeckel irgendwo auf den Boden. Es dauert eine ganze Weile, bis ich ihn wiedergefunden hatte, da der Wind ihn ordentlich bergab rollen ließ. Ich hatte mich schon damit abgefunden, ohne ihn durch Island zu reisen. Beim Fotografieren des Sternenhimmels machte sich ein grüner Streifen am Horizont bemerkbar. In der ersten Nacht Polarlichter.... Das konnte doch gar nicht möglich sein. War es aber. Irgendwie war es wie zu Hause ankommen und gleich in den Arm genommen werden...

Tag 02 - 13.02.2020

 

Viele denken, dass auf Island im Winter totale Dunkelheit herrscht. Das ist nicht so. Zur Wintersonnenwende liegen zwischen Sonnenaufgang und -untergang etwas über 4 Stunden. Innerhalb der 14 Tage, die ich auf Island war, hat sich die Spanne von knapp 8 Stunden auf 9,5 Stunden verlängert. Man hat also genügend Zeit, um bei Tageslicht unterwegs zu sein. Die Sonne ging erst gegen 9:30 auf. Dadurch bekommt man die tolle Morgenstimmung mit, ohne sonst wie früh aufstehen zu müssen. Auch wenn ich in der letzten Zeit nicht mehr so lange schlafe (das Alter?!), kommt mir das dennoch sehr entgegen. Mir fällt es immer schwer, für das richtige Licht vor meiner eigentlichen Aufstehzeit aus dem Bett zu kriechen. Da schlaf ich doch lieber aus. 

 

Snaefellsnes ist der perfekte Einstieg in jeden Island Urlaub. Die kleine Halbinsel ist so abwechslungsreich, dass man einen Vorgeschmack auf die restliche Insel bekommt. Im Winter 2016 war Island mit einer dicken Schneedecke überzogen und die Temperaturen lagen bei zweistelligen Minusgraden. Diesmal war es auch verschneit, aber noch so, dass man die Strukturen der Berge und der restlichen Landschaft erkennen konnte. Man konnte somit auch mal abseits der Straße langstiefeln, ohne Gefahr zu laufen, in einer riesigen Schneewehe oder in einem Eisloch zu verschwinden. Das machte ich mir auch immer wieder zu nutze. 

 

Der Tag war vom Wetter perfekt. Die Sonne hat zu dieser Zeit eine fantastische gelbe Farbe und taucht somit auch die Grasbüschel in ein tolles Licht. Zum Ende des Tages merkte man langsam, was am nächsten Tag wettertechnisch auf einen zukommen könnte. Am westlichen Ende der Halbinsel steht ein Leuchtturm in grandioser Kulisse. Dort fing der Wind dann schon ordentlich an zu blasen, so dass ich für die 30 Sekunden Langzeitbelichtung das Stativ beschweren musste, damit es nicht umfällt oder die Bilder verwackeln.

 

Im Gemeinschaftsbad, was aber scheinbar außer mir keiner weiter nutzte, fiel mir gleich wieder mein Lieblingsbadutensil in die Augen. Der Duschvorhang. Die Duschkabine war wirklich groß, doch sobald man das warme Wasser durch die Leitung fliesen ließ, schmiegte sich dieses schimmlige Monster gegen meinen Körper. Dies inspirierte mich dann zu folgende Zeilen:

 

Der Duschvorhang.

 

Im Bad ein viel gesehener Gast.

Doch allzu oft wird er gehasst.

Wenn´s heiße Nass zum Körper dringt.

Die kalte Luft nach Ausgleich ringt.

Schmiegt er sich lautlos an dich ran.

Der schimmlig feuchte Duschvorhang.

Tag 03 - 14.02.2020

 

Da war er nun der Tag des Sturms und ich muss zugeben, es war ein gewaltiges Naturschauspiel. Ich bin früh nach dem Aufstehen gleich einmal zum Hafen gelaufen, um zu schauen, was so geht. Natürlich waren die Kamera und das Stativ mit dabei. Die Wellen peitschten ordentlich über die Steinmauer. Ich musste mir zum Fotografieren eine windstille Ecke hinter einem Haus suchen, sonst wäre kein unverwackeltes Bild möglich gewesen. Die Straße am Hafen war dann auch komplett überschwemmt. 

 

Nach dem ersten Schwung an Bildern bin ich erst einmal wieder ins Hotel und habe gefrühstückt. Wenn man so einen Wind erlebt, weiß man auch, warum die Häuser auf Island eher pragmatisch, anstatt sonderlich beschaulich gebaut wurden. Bei uns wäre bei dem Wind alles mögliche durch die Luft geflogen. Bäume können ja auf Island eh nicht weiter umkippen. Alles andere war windsicher verbaut und stellte für Fußgänger keine Gefahr dar. Obwohl der Wind wirklich ordentlich durch Stykkisholmur blies, hatte ich nie das Gefühl, dass irgend etwas zu Bruch gehen könnte.

 

Zum Mittag hin bin ich dann noch einmal durch den Ort gelaufen. Mulmig wurde es mir nur, als ich auf einer Klippe über dem Ort stand und eine so heftige und langanhaltende Böe kam, dass mich der Wind auf dem Schotteruntergrund weggleiten lies. Da habe ich mich dann so schnell es möglich war, an das nahliegende Haus gepresst und mich langsam aus der Sturmlinie genommen. Damit wurden erhöhte Aussichtsplätze zum Fotografieren abgewählt.

 

Stykkisholmur war vom Sturm nicht ganz so schlimm betroffen. Dennoch erreichte der Sturm locker über 100 km/h und damit sind noch nicht einmal die Böen gemeint, die das Spektakel noch etwas aufregender gestalteten und immer mal wieder die eigene Laufrichtung beeinflussten. Der Sturm erreichte im Land bis zu 250 km/h. Da hatte ich es tatsächlich noch gut erwischt. Im Hotel nutzte ich die gewonnene Auszeit zum Kontakt mit weiteren Reisenden aus den USA, Frankreich und Markus aus dem Erzgebirge. Da die Straßen gesperrt waren, konnten alle nur abwarten, bis sich der Wind gelegt hatte. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen ist auch ein wichtiger Grund für meine Reiselust. Die meisten, die zu solchen Zeiten unterwegs sind, sind aufgeschlossen und man kommt schnell ins Gespräch.

 

Dieser Tag war wieder einmal eine besondere Erfahrung für mich.

Tag 04 – 15.02.2020

 

Der Sturm war vorüber. So konnte ich meine Fahrt Richtung Nord-Osten nach Skagaströnd fortsetzen. Skagaströnd ist ein kleines Fischerdorf und ich hatte es bis dahin auf meinen vorherigen Reisen nicht besucht. Auch wenn es nach all den Aufenthalten auf Island immer schwieriger wird, versuche ich, bei jeder weiteren Reise etwas Neues zu entdecken.

 

Die Fahrt begann etwas abenteuerlich, da die Straßen in Stykkisholmur vereist waren und ich, wie ich zu Beginn schrieb, keine Spikes bekommen hatte. Das Profil meiner Reifen war ordentlich tief. Somit hatte ich bei verschneiten Straßen keine Probleme. Sobald es aber eisig wurde, hatte ich schon etwas Bauchschmerzen. Kam zum Eis noch Wind dazu, welcher eigentlich immer vorhanden war, wurde es eine gefühlte Rutschpartie. Ich hatte immer ein wenig das Gefühl, dass ich mich von der Mitte der Fahrbahn weg in Richtung Straßengraben bewegte. Zum Glück bin ich, trotz des abenteuerlichen Wetters, unfallfrei durchgekommen.

 

Der Reisetag war bis zum frühen Abend herrlich. Ich hielt immer wieder am Straßenrand an und fotografierte Flüsse, Eisschollen, Berge, Schneefelder und was sonst noch so meinen Weg kreuzte. Da sich der Blick auf die grandiose Landschaft aller paar hundert Meter veränderte, war es schwierig, wirklich voranzukommen. Aber das gehört dazu, wenn man als fotoaffiner Tourist auf Island unterwegs ist. Die Zeit, die Google-Maps von A nach B berechnet, kann somit nur als ganz grobe Orientierung herangenommen werden, da man ganz schnell auch mal das doppelte an Zeit braucht.

 

Bevor ich nach Skagaströnd abbiegen wollte, fuhr ich zum Hvitsekur Basaltfelsen. Diesen hatte ich beim ersten Besuch 2014 schon gesehen und war total fasziniert. Es handelt sich dabei natürlich um einen versteinerten Troll. Die Geschichte lautet folgendermaßen:

 

„Im Jahre 1133 bauten einst Mönche ein Kloster, in dem sie friedlich lebten. Auf der gegenüberliegenden Seite in einer Bucht lebte ein Troll, der sich mit seinen neuen Nachbarn nicht anfreunden wollte. So ging er eines Nachts voller Wut zum Kloster und bewarf es mit Felsbrocken. Er war so sehr damit beschäftigt, das Kloster in Schutt und Asche zu legen, dass er immer weiter auf das Meer hinauslief. Unterdessen brach der Morgen an und die Sonne erhob sich über dem Horizont. Trolle verwandeln sich zu Stein, sobald sie dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Tollpatschig wie er war, bemerkte er nicht, dass die Nacht vorüber war. Die Sonnenstrahlen ließen den gemeinen Troll am Ufer zu Stein erstarren.“

 

Da der Wind langsam wieder stärker wurde, habe ich mein Fotoshooting mit Mister Steintroll recht spontan beendet. Das Licht war diesmal auch nicht ganz so schön. Wahrscheinlich war er so verärgert über meine geringe Aufmerksamkeit, dass er mir auf dem Weg nach Skagaströnd noch ordentliche Schneewehen über die Straße schickte. Man konnte teilweise von einer Markierung nicht bis zur nächsten schauen. Zum Glück waren die Straßen nicht ganz weiß, so dass man sich wenigstens am dunklen Asphalt orientieren konnte. Wenn alles weiß ist, ist die Gefahr groß, dass man mit der Richtung der Schneewehen von der Straße abkommt.

 

In Skagaströnd dachte ich anfangs, ich würde nicht ins Haus kommen. Es war schon wieder sehr windig und im Haus entstand so ein Unterdruck, dass die Eingangstür nicht aufgehen wollte. Nach einigen Versuchen merkte ich dann, dass man nur sehr kräftig an der Tür zerren musste, damit sie aufging. Im Haus selber wurde ich von einem Schweizer begrüßt, der schon einige Zeit auf Island lebte und sein Geld mit der Restauration von alten Gebäuden verdiente. Es ist immer wieder spannend, Menschen zu treffen, die mit einer komplett anderen Idee vom Leben durch dieses gehen. Für solche Begegnungen liebe ich das Reisen…

 

Tag 05 - 16.02.2020

 

Die Unterkunft in Skagaströnd verwöhnte mich mit einem tollen Blick über das Meer und über den Hafen. Ich frühstückte in Ruhe und erkundete noch ein wenig den Hafen. Versüßt wurde mir der Morgenspaziergang mit einem schönen Sonnenaufgang. Dadurch zog sich der morgendliche Erkundungstrip ordentlich in die Länge und die Bilderanzahl auf der SD-Karte schnellte in die Höhe. Über Nacht war es wärmer geworden und die eisigen Straßen zu perfekt gewässerten Eisbahnen. Bei meinem letzten Islandwintertrip hatte ich mir Überziehspikes geholt. Die sind auf Island tatsächlich überlebensnotwendig, wenn man außerhalb des eigenen Fahrzeugs auch einmal ein paar Meter laufen möchte. Kann ich jedem nur empfehlen, der vor hat, im Winter nach Island zu fliegen.

 

Ich war auf dem Weg ins Myvatn-Gebiet. Zwischen dem Myvatn und Husavik ist ein kleiner Bauernhof, den ich bei jedem meiner Aufenthalte besucht habe. Dort treffe ich auf Fredi und Ari. Ari hat schon bei unserem ersten Aufeinandertreffen 2014 gewusst, dass es nicht mein letzter Besuch sein sollte. Ich wollte zwei Nächte bei ihnen verbringen und wurde wie immer mit offenen Armen empfangen. Als Gastgeschenk bringe ich immer die großen Milka Schokoladentafeln mit. Die Freude darüber war nicht gespielt, so schnell wie die erste Tafel aufgerissen wurde. Ich bin mir auch sicher, dass die Schokolade nicht wirklich alt wird. Über die Jahre haben sie ihre Übernachtungsmöglichkeiten ausgebaut. Somit hatte ich einen Bungalow für mich alleine und war zum Frühstück und Abendbrot ins Haus eingeladen. Das ist immer wieder etwas besonderes für mich, die beiden zu besuchen. Es ist immer was los und bei allem Stress auf dem Bauernhof werde ich immer herzlich aufgenommen. 

 

Auf dem Weg zum Myvatn kommt man, wenn man die Insel im Uhrzeigersinn umfährt, zu einem meiner Lieblingsaussichtspunkte. Man hat einen Blick in ein weites Tal, welches von riesigen zerfurchten Bergen umrahmt ist. Es waren einige Wolken am Himmel, die immer wieder aufzogen und das Sonnenlicht hindurchstach. Ich liebe diese Aussicht egal zu welcher Jahreszeit. Dort verweile ich dann immer eine Weile und genieße diese unglaubliche Landschaft. 

 

Genuss in anderer Form hatte ich dann in Akureyri. Wie in vielen anderen Kaffees auf Island gibt es dort hervorragenden Kaffee und Kuchen. Ich konnte es mir auch dieses Mal nicht entgehen lassen und machte einen kurzen Stopp in der Stadt. Es hatte sich wieder gelohnt für Gaumen und Hüfte...

 

Der Fortschritt geht auch auf Island weiter. Es wurde auf dem Weg von Akureyri zum Myvatn ein neuer Tunnel errichtet, der gerade in dieser Jahreszeit sehr viel Zeit und auch Nerven spart. Ich kannte ihn bis dahin nicht und vor allem kannte ich das Abrechnungssystem nicht. Man fährt durch den Tunnel und hat danach 4 Stunden Zeit online die Gebühr dafür zu zahlen. Darauf wird man über Leuchttafeln bei der Durchfahrt des Tunnels irgendwie aufmerksam gemacht. Da ich dieses Abrechnungssystem noch nie zuvor irgendwo auf der Welt gesehen hatte, machte ich mir keinen Kopf weiter. Ist ja nicht so, dass es nicht auch kostenlose Tunneldurchfahrten auf Island gibt. Beim abendlichen Aufeinandertreffen erzählte ich begeistert vom neuen Tunnel. Ari fragte mich nur, wie lange mein Durchfahrt her sei. Dann erklärte er mir das System und dass ich nun einen kleinen Aufschlag als Strafe zu zahlen hätte. Fand ich natürlich super. Oftmals käme es wohl auch noch dazu, dass die Autovermietung eine Bearbeitungsgebühr draufschlagen würde. Das war aber zum Glück nicht der Fall. Wieder etwas gelernt.

 

Ansonsten fing es stark an zu schneien und ich konnte es mir im Bungalow gemütlich machen und den Abend ausklingen lassen.

Tag 06 - 17.02.2020

 

Eigentlich hatte ich vor, an diesem Tag ein wenig die Gegend abzufahren. Es gibt einiges zu sehen im Norden und meistens ist das Wetter wesentlich besser als im Süden der Insel. Beim letzten Besuch im Winter war es wolkenlos bei angenehmen -22 Grad. Diesmal entschloss sich der Wettergott, es ca. 20 Grad wärmer zu machen. Dafür schneite es fast die ganze Zeit mit so einem Wind, der einen richtig schön unter die Haut fährt, wenn man eine Weile draußen ist. Somit hatten sich der Myvatn, die heißen Quellen und der Godafoss erledigt. Man hätte beim Laufen in der Natur keinen Spaß gehabt und zum Fotografieren fehlte einfach Licht und Sicht.

 

Ich entschloss mich nach Husavik in das neugebaute Thermalbad zu fahren. Es hatte schon etwas, bei diesem ungemütlichen Wetter in einem der vier ca. 40 Grad warmen Becken zu sitzen und das Schneetreiben über sich ergehen zu lassen. Dabei musste man nur aufpassen, dass sich nicht zu viel vom Kopf außerhalb des Wassers aufhielt und der windigen Kälte ausgesetzt war. Ohne Wollmütze wäre das nicht auszuhalten gewesen. Aber so war es perfekt. Bis auf die Sekunden, die man brauchte, um vom Wasser wieder ins Gebäude zu gelangen. 

 

Viel bemerkenswertes passierte an diesem Tag dann auch nicht mehr. Ich kam mal wieder an komplett beleuchteten Gewächshäusern vorbei. Es war noch zu hell, um diese enorme Strahlkraft einzufangen, aber auch so war es interessant mit anzusehen, wie die Isländer ihren Überschuss an Energie in das Wachstum ihrer Pflanzen pumpten. 

 

Ansonsten gab es viel Schnee im Freien, Gemütlichkeit im Bungalow und Familienzeit mit den Gastgebern nebst Fredis Eltern. Ich liebe solche Momente, wenn man sich gegenseitig etwas erzählen möchte, aber beide eine andere Sprache sprechen und man sich dann doch verständigen kann. Wenn ich so erlebe, wie oft heutzutage Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, sich nicht mehr gegenseitig verständlich machen können, fragt man sich echt, was da falsch läuft. Fredis Vater hatte mir jedenfalls stolz seinen Bungalow gezeigt und seine Frau (also Fredis Mutter) hat ab und an, wenn es gar nicht ging, übersetzt.

 

Die Zeit, in der ich mal für mich alleine war, waren meine Kopfhörer und mein ebook mit Game of Thrones Lektüre meine Zeittotschläger. Geht schlimmer...

Tag 07 - 18.02.2020

 

Nach zwei Nächten galt es, von Fredi, Ari und dem Bauernhof Abschied zu nehmen. Mal sehen, wann mich der Weg wieder zu Ihnen führen wird. Allzu lange wird es aber sicher nicht dauern. Hoffe ich.

 

Nach dem ich das schneereiche Wetter, auch in dieser Nacht hatte es viel geschneit, im Norden überstanden hatte, sollte es weiter in Richtung Nord-Osten nach Þórshöfn gehen. Eigentlich sah es auf dem Wetterbericht so aus, dass der Himmel früh etwas aufreißt. Das wäre perfekt gewesen, um schönes Licht für einen kurzen Abstecher zum Godafoss zu haben. Leider meinte es der Gott des Lichtes nicht so gut mit mir. Immerhin war ich schon froh, dass es nicht so stark schneite oder im schlimmsten Fall regnete. So verbrachte ich doch einige Zeit damit, durch den tiefen Schnee zu stapfen, um auf beiden Seiten des Wasserfalls zu fotografieren. Der Vorteil dieses Wetters bestand in der reduzierten Anzahl an Touristen, die am Godafoss Halt machen wollten

 

Bis nach Þórshöfn war es eine ganze Ecke zu fahren und es waren alle möglichen Straßenverhältnisse vorhanden. Nur normaler trockener Asphalt stand nicht auf der Reisekarte. Zum Glück hatte aber wenigstens der Wind keine große Rolle gespielt. Das war bei den vielen Stopps, die ich aufgrund von sehr sehr geilem Licht auf sehr sehr geiler Landschaft durchführen musste, sehr hilfreich. Der Grad des Durchfrierens hielt sich bei den fünf bis zehn Minuten dauernden Fotosessions in Grenzen. Da die Landschaft sehr abwechslungsreich war, vergingen die Stunden auf der Eisschneepiste recht schnell. Damit man überhaupt weiß, ob man von A nach B kommt, sollte man vorher immer auf "road.is" nach den Straßenverhältnissen schauen. Die am häufigsten verwendeten Eigenschaften waren: slippery, spots of ice, extremely slippery und difficult condition. Ich glaube easily passbable gab es nie. Gerade im Süd-Osten kommt es auch gern mal vor, dass aufgrund der nah an der Straße liegenden Berghänge, eine Lawine die ganze Straße versperrt. Leider gibt es dann auch keine Umgehungsstraße. Die Isländer sind aber Weltmeister im Straßenräumen. Meistens sind die Straßen dann schnell wieder frei. Aber man weiß nie...

 

Ich hatte meine Unterkunft von einem Bungalow auf einer Kuhfarm, in einen Bungalow auf einer Schaffarm getauscht. Diesen Bungalow hatte ich schon 2017 besucht. Diese einsame Gemütlichkeit und die überaus netten Gastgeber waren perfekte Voraussetzungen für mich, um mich ohne große Pläne fallen lassen zu können. In den Nord-Osten verirren sich auch kaum Touristen. Als ich ankam, war neben den Gastgebern nur noch eine deutsche Studentin mit vor Ort, die der Familie immer mal auf der Farm hilft. Ich wurde auch gleich mal in den Schafstall eingeladen und nahm dankend an. Ich lernte, dass es nicht ratsam ist, in einen Schafstall mit den Sachen zu gehen, die man vorhat, die nächsten Tage weiterhin anzuziehen. Außer man hat die Möglichkeit, sie zu waschen. Der Stallgeruch war jetzt nicht übelst schlimm, aber er kroch in die Sachen rein und begleitete mich bis nach Hause. Das war wahrscheinlich der Ausgleich dafür, dass man auf Island kaum Schweißgeruch bildet, da die Bakterien in der Luft wesentlich weniger sind. Dieses Wissen hilft bei der Menge der mitzunehmenden Kleidungsstücke immens.

 

Der Tag war jedenfalls aufregend und erlebnisreich genug und endete gemütlich im Bungalow...

 

Tag 08 - 19.02.2020

 

Ich war schon wieder eine Woche unterwegs. Dass die Zeit immer so schnell verfliegen muss und vor allem dort, wo man sich wohlfühlt. Wenn man dann aber versucht, die schon vergangene Zeit Revue passieren zu lassen, kommt es einem meistens viel länger vor. Der achte Tag war ein gemütlicher, was nach der langen Fahrt vom Vortag auch ganz gut war. Er begann mit einem Frühstück im Haupthaus. Dieses hatte ich bei meinem letzten Besuch nicht gesehen. Ich ließ mir nach dem Frühstück noch alle Gästezimmer im Haus zeigen. Auch diese waren geschmackvoll und gemütlich eingerichtet und bieten eine Alternative für den Bungalow.

 

Mit mir frühstückte ein Mann mit seinem Sohn. Sie kamen aus London. Seine Frau war auch irgendwie auf der Farm anwesend, hatte aber scheinbar keine Lust zu frühstücken. Jedenfalls bekam ich sie die beiden Tage nicht zu Gesicht. Dafür wusste mir der Mann zu erzählen, dass sie bei der Ankunft gegen 0:00 Uhr die ganze Zeit unter Polarlichtern gefahren sind. Alles leuchtete und sie konnten sich kaum aufs Autofahren konzentrieren. Dies alles spielte sich in der Nähe der Farm ab. Da war ich tatsächlich etwas neidig. Ich hatte vorm ins Bett gehen extra nach draußen in die Kälte geschaut, um zu sehen, ob es aufgeklart war. Ich hätte nicht gedacht, dass der Himmel noch so aufreißt. Es war ihnen gegönnt... Hüstel Hüstel.

 

Ich fuhr in Ruhe die Langanes Halbinsel ab. Anfangs war das Wetter noch gut und auch die Sonne ließ sich ab und an sehen. Kurz nach Porshöfn befindet sich ein Feld, auf dem ein Flugzeugwrack liegt. Es ähnelt dem Flugzeug, welches im Süden bei Vik millionenfach fotografiert wurde, außer dass dieses hier kaum bekannt ist. Viele versuchen die Insel in einer Woche zu umrunden. Da sind für Abstecher in die abgelegeneren Regionen keine Zeit mehr. Mir sollte es recht sein. Leider liegt das Flugzeug auf Privatgelände und es war 2017, als ich es schon einmal besuchte, nicht ganz klar, ob man ohne Eigentümerstress dort hingelangte. Damals war es ohne Probleme gelungen. Diesmal stellte ein große Schafsherde ein unüberwindbares Problem dar. Der Eigentümer der Herde war so clever, das frische Futter für die Schafe genau auf den Zufahrtsweg zu schmeißen. Als ich dann mit dem Auto ankam und überlegte, auszusteigen, stellte sich mir eine vereinte Schafsfront entgegen. Normalerweise sind die Schafe auf Island eher schüchtern und rennen weg. Aber ich wäre zwischen sie und ihr Futter gekommen. Da ich die Metamorphose einiger Menschen vor Augen hatte, wenn sie hungrig sind, ließ ich schweren Herzens von meinem Plan ab.

 

 

Die Erkundungstour endete relativ zeitig, da einige Schneewehen die Straße verdeckten. Leider konnte man nicht sehen, wie hoch sie waren. Bei meinem Talent, Autos auf unbefahrbarem Untergrund zu versenken und der Tatsache, dass ich seit Stunden niemanden mehr gesehen hatte, führten zu der Entscheidung, die Weiterfahrt abzubrechen. Auf dem Rückweg fand ich noch einen recht fotogenen Autofriedhof. Auf Island werden auch gern altes Gerät oder alte Autos irgendwo in der Pampa abgeparkt und ihrem Schicksal überlassen. Zum Fotografieren von Kontrasten zwischen Natur und Schrott ist das zwar mal ganz interessant, aber so richtig schön sehen diese verrotteten Schrottreste nicht aus. Die Schafe scheint es jedenfalls nicht zu stören…

 

 

Tag 09 - 20.02.2020

 

20.02.2020 - was für ein Datum. Sicherlich sind die Standesämter der Welt gut besucht an diesem Tag. Für mich war dieser Tag auch besonders, da ich nach Eskjifjördur gefahren bin. Die Bungalowanlage in Eskifjördur war schon im Winter 2016 Ziel meiner Reise und es war fantastisch. In eisiger Kälter im heißen Jacuzzi zu sitzen und die Sterne zu beobachten, war grandios. Auf dieses Gefühl hatte ich mich schon die ganze Reise gefreut. Ich war diesmal im Haupthaus untergebracht, welches zwar ganz nett war, aber kein Vergleich mit einem der tollen Bungalows darstellte. Ein Bungalow wäre mir aber einfach zu teuer gewesen.

 

Der Morgen begann wieder mit einem fantastischen Frühstück und Gesprächen mit dem Gast vom Vortag. Diesmal hatte auch er keine Polarlichter gesehen. Ich war erleichtert. Gutes Frühstück ist auf Island auch nicht so selbstverständlich. Ich frühstücke für mein Leben gern. Leider ist diese morgendliche Esskultur nicht überall so verbreitet. Da bekommt man auch mal 2 Toasts und ein Glas widerliche Bitterorangenmarmelade. Damit es auch wirklich kein gutes Frühstück wird, gibt es auch noch Pulverkaffee. Zum Glück bäckt die Gastgeberin selber und das kann sie auf höchstem Niveau. Da hat man dann immer gar keine Lust aufzustehen und loszufahren.

 

Vor der Weiterfahrt in den äußersten Osten von Island galt es, ausgiebig die Straßen auf road.is zu begutachten. Es waren wieder alle lebensgefährlichen Farben auf den Straßen vertreten. Aber es fehlten rote Straßen. Somit war nix gesperrt. Die Fahrt selber war wieder höchst abenteuerlich. Zum Glück waren kaum andere Fahrzeuge unterwegs, ansonsten wäre es noch aufregender geworden. Für die 250 km Fahrt brauchte ich ca. 6 Stunden. Dies ist natürlich auch den vielen Stopps zum Fotografieren geschuldet, dennoch war eine konstante Geschwindigkeit von über 60 km/h kaum möglich. Am spannendsten war es bei jeder Passüberquerung. Eine riesige Menge Schnee gepaart mit viel Wind, welcher natürlich quer über die Straße fegte, ließen mir ab und an die Hände schwitzig werden. Die bisschen Nebel, Eis und Schneehaufen mitten auf der Straße spielten dann keine große Rolle mehr. Ich kam dennoch gut in Eskifjördur an und machte mich nach einer kurzen Verschnaufpause auch gleich mit der Kamera auf in den Ort.

 

Nach meinem Fotoexkurs und anschließendem kleinen Abendbrot war es dann soweit. Die größte Überwindung besteht darin, bei diesem eisig schneidenden Wind nur mit Badehose bekleidet in den Pool hinein- und wieder herauszusteigen. Zum Glück hatte ich noch etwas Übung vom Schneebaden einige Tage zuvor. Obwohl noch einige andere Touristen auf dem Gelände waren, hatte ich den Jacuzzi für mich allein. Vielleicht sollte mir das aber auch zu denken geben...

 

 

 

Tag 10 - 21.02.2020

 

Dieser Tag war geprägt durch einen meiner Lieblingsorte, viel Ruhe und sehr viel Schnee. Es schneite eigentlich fast den gesamten Tag hindurch. Erst gegen Abend ließ der Schneefall nach. Das Wetter lässt sich auf Island eh kaum verlässlich voraussagen. Also hilft nur losfahren und schauen, wie es wird.

Bei meinem kleinen Spaziergang nach dem Frühstück lernte ich die neue Haus- und Hofhündin kennen. 2016 wurde ich noch von Stella begleitet. Leider war sie in den 4 Jahren gestorben. Ihre Nachfolgerin war aber genauso zugänglich und wich mir nicht von der Seite.

 

Nach dieser kleinen Entspannungsrunde setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Seydisfjördur. Über Seydisfjördur hatte ich ja schon in den Reisen zuvor viel Worte verloren. Es ist immer wieder ein geiler Moment, die Serpentinenstraße nach unten in den Ort zu fahren. Dieses Gefühl ist auch in dem Film „Das unglaubliche Leben des Walter Mitty“ verewigt. Es packt mich einfach, wenn ich diese Szene sehe, wie er mit dem Skateboard auf Seydisfjördur zufährt. Im Ort selber war fast alles geschlossen. Nur ein kleiner überfüllter Imbiss hatte geöffnet. Ich hatte mich auf das gemütliche Kaffee am Ortseingang gefreut. Der Inhaber saß entspannt auf einem Barhocker. Ich stand noch vor der Tür und überlegte, was ich denn trinken könnte. Er sah mich und kam heraus und fragte, ob er helfen könne. Ich offenbarte meine Unschlüssigkeit bezogen auf das Getränk. Er bremste meine Vorfreude schlagartig aus, in dem er meinte, dass sein Kaffee noch einige Wochen geschlossen hätte.

 

So bin ich ohne leckeres Heißgetränk durch den Ort spaziert. Es schneite unaufhörlich und da es nicht sonderlich kalt war, waren es auch riesige Flocken. Bei jedem Ausflug nach Seydisfjördur besuche ich auch ein altes verlassenes Haus, welches immer mehr zusammenfällt. Der Weg dahin war so vereist, dass ich nach der ersten Rutschpartie beschloss, umzukehren und lieber wieder zurückzufahren. 

 

Ich beließ es für den Tag mit weiteren Ausflügen. Dafür war der Schneefall einfach zu stark und die Straßen zu schlecht. Ich verbrachte den Rest des Tages in Eskifjördur und lief zum Abendlicht wieder in den Ort. Der Abend war dann wieder Solo-Jacuzzi-Zeit und viel Raum für Musik und Kindle.

Tag 11 - 22.02.2020

 

Und da ist noch ein Tag voll mit 2en und 0en ....

Wieder stand eine lange Fahrt an. Diesmal in den Süden in die Nähe von Höfn. Höfn ist so der Punkt, bis zu dem die meisten Island-Kurzurlauber von Reykjavik aus fahren. Dann kehrt der größte Teil der Touristen um. Auf dem Weg liegen auch viele absolute Highlights. Die Fahrt vom Osten in den Süden gehört mit zu den spektakulärsten überhaupt und man hat außerhalb der Schneesaison zwei Möglichkeiten diese zu bestreiten. Der Weg über den Öxi-Pass (Straße 939) ist der Wahnsinn. Einmal bin ich den Pass bei komplettem Nebel gefahren, beim zweiten Mal dann entgegen dem Uhrzeigersinn. Über den Pass spart man zwar 56 km, aber die Straße ist schon recht anspruchsvoll und immer schön am Abgrund lang. Dafür sind die Aussichten einfach grandios. Im Winter hat sich das eh erledigt, weil es einfach kein Durchkommen gibt. Diese Mischung aus Meer und hohen Felsen direkt an der Straße ist immer wieder atemberaubend. Die kurze Distanz zwischen Berg und Straße führt aber auch gern zu verschüttenden Wegen durch Schneelawinen. Also muss man vorher immer schön die Straßen-App studieren.

 

Schon beim letzten Winterausflug 2016 hatte ich tolles Wetter. Was die Wintersonne mit der Landschaft macht, muss ich nicht extra erklären. Eigentlich müsste man diesen Weg auf zwei Tage verteilen. Man hat das Bedürfnis ständig stehen zu bleiben und alles in sich aufzusaugen. Diese Mischung aus rauem Meer, verschneiten hohen Bergen, blauem Himmel und gelben Grasflächen ist einfach fantastisch. Dazu kommen noch schwarze Strände, ewige lange Straßen und meterhohe Wellen. An dem Tag hatte ich über 1000 Bilder gemacht. Wenn man an so einem Wellenbrecherstrand steht, kann man endlos draufhalten. Solche Wellen hat man an der Ostsee einfach nicht und am Cospudener See in der Nähe von Leipzig ist das auch eher selten der Fall.

 

Auf dem ganzen Weg nach Höfn hatte ich einen der magischsten Orte auf Island im Kopf. Die Landzunge Stokksnes in Verbindung mit dem Berg Vestrahorn ist mit das beeindruckendste, was ich in meinem Leben fotografieren durfte. Es gibt auch unzählige Perspektiven. Alleine, ob das Wasser mal mehr oder mal weniger vorhanden ist, verändert die Art der Bilder. Im Verhältnis zu den Wasserfällen im Süden oder auch der Gletscherlagune ist Stokksnes noch recht wenig besucht. Dafür kann man nur dankbar sein. 

 

Der Tag war so schon absolut perfekt. Um ihm aber die Krone aufzusetzen, gab es noch leichte Polarlichter. Ich war glücklich...

Tag 12 - 23.02.2020

 

Die Reise neigt sich dem Ende und Island fährt noch einmal alles auf. Ich konnte mal wieder die Einzigartigkeit dieser Insel erleben und genießen.

 

Das Frühstück im Hotel war etwas mager und nicht sonderlich abwechslungsreich. Leider haben viele der Hotels kein besonders gutes Frühstücksangebot. Dafür ist es meist, wenn man es dazu buchen muss, unverschämt teuer. Für ein paar Toasts mit Marmelade, etwas Wurst und Käse empfinde ich einen Preis um die 16 Euro doch für nicht gerade angemessen. Umso schöner ist es, wenn man privat unterkommt und sich die Gastgeber dann richtig Mühe geben. Daher spare ich auch meist nicht mit anerkennenden Worten.

 

Da ich noch einen Tag im Hotel bleiben wollte, hatte ich mir als Ziel den Skaftafell Nationalpark ausgesucht. Der ist circa eine Stunde vom Hotel Richtung Westen entfernt und führt an der Jökulsarlon Gletscherlagune und dem Diamond Beach auf der Meerseite von der Lagune vorbei. Dort habe ich bisher immer gehalten und jedes Mal ist es total anders. Beim letzten Winterausflug hatte die Lagune kaum größere Eisbrocken enthalten und auch der Strand hatte viel Sand und wenig Eis zu bieten. Diesmal war der Strand so sehr von Eis übersät, dass man teilweise Mühe hatte, einen Weg durch die Eisbrocken zu finden. Auch in der Lagune waren riesige Eisberge unterwegs. Die vom Meer ausgewaschenen Eiskristalle sind immer wieder ein absoluter Hingucker. 

 

Im Skaftafell Nationalpark hat man dann einmal die Möglichkeit an und auch in den Gletscher zu laufen und auf der anderen Seite den Svartifoss zu besuchen. Da ist man gut zu Fuß und bekommt einiges zu sehen. In den Gletscher zu laufen ist absolut beeindruckend und man sollte sich auch mit genügend Vorsicht bewegen, da sich auch immer wieder tiefere Spalten, die durch Schnee verdeckt sind, auftun. Wo hat man sonst die Möglichkeit im Winter so nah an einen Gletscher zu kommen. 

 

Nachdem ich dann auch noch den Svartifoss (ein Wasserfall) besucht hatte, fuhr ich ordentlich fertig, man legt schon einige Kilometer zu Fuß zurück, wieder zum Hotel. Als ich etwas zum Abend gegessen hatte, ging ich dann meine obligatorische Runde, um zu sehen, was sich so am Himmel ereignet. Es war wieder sternenklar und auch ordentlich kalt. Und was soll ich weiter dazu schreiben... Es gab ein Polarlichtfeuerwerk, welches mindestens eine Stunde andauerte. Ich fuhr diesmal mit dem Auto ein wenig vom Hotel weg, um die Polarlichter in Ruhe und mit so wenig Licht wie möglich genießen zu können. Wenn man da so steht und alles tanzt in grün bis violett am Himmel, ist man so dermaßen in den Bann gezogen, dass ist einfach magisch. Da vergisst man auch die eiskalten Fußklumpen mit denen man wieder ins Hotel zurückkehrt. Dafür war dann die heiße Dusche ein Segen… 

Tag 13 - 24.02.2020

 

Der Urlaub geht dem Ende entgegen und wartet noch mit einem magischen Ort für mich auf. Der schwarze Strand von Vik ist einer dieser Orte, wo man ewig verweilen möchte. Auch wenn kein Wind ist, brechen dort die Wellen gegen den Strand und die Felsen. Immer wieder gibt es leider Touristen, die diese Gefahr unterschätzen und sich in Lebensgefahr begeben, um ein Selfie zu machen. Da kann man Hinweisschilder aufstellen wie man möchte. Leider ist es dann auch nicht Lernen durch Schmerz, weil die Lernkurve aufgrund des beendeten Lebens nicht mehr ansteigen kann. Unabhängig von der Dummheit der Leute, ist es für mich einfach fantastisch dort.

 

 

Die Fahrt bis nach Vik glich wieder einem Abenteuer. Es gab zwar kaum Erhebungen, aber es war immer wieder ein Wechsel von Schnee, Eis und Asphalt. Der Wind änderte sich auch ständig. Dennoch war es von der Fahrt einigermaßen entspannt, weil die meisten Leute mir entgegenkamen und mich somit keiner unter Druck setzte.

 

In Vik habe ich dann auch das erste Mal in einem Restaurant zu Abend gegessen. Das Restaurant kannte ich noch vom letzten Besuch und schon damals war es sehr lecker und auch gemütlich. Die kleine Pizza (mit klein, meine ich klein) kostete 15 Euro. Sie schmeckte hervorragend. Auf Dauer bin ich aber für solche Preise zu geizig. Da komme ich dann auch mal zwei bis drei Wochen mit Wurst, Brot und Käse aus.

In der Unterkunft traf ich dann auf ein älteres Ehepaar aus Deutschland. Wir unterhielten uns viel übers Fotografieren und über die Polarlichter, die wir in diesem Urlaub mehr oder minder erfolgreich gejagt hatten. Das war noch eins der wenigen Gespräche in 2020, bei denen Corona keine Rolle spielte. Ich erinnerte mich noch, wie ich wieder einmal über eine Schlagzeile den Kopf schüttelte. In Italien waren 9 Coronapatienten an einem Tag gestorben und man sprach schon von der absoluten Apokalypse. Da fragte ich mich bloß, was sie schreiben, wenn mal 100 Leute sterben. Leider kam es auch so. Viel Raum für die Steigerung der sprachlichen Superlative gab es jedenfalls nicht mehr.

 

Es war der letzte Tag, bevor es wieder zurück in Richtung Flughafen ging. Ich genoss ihn in vollen Zügen…

 

Tag 14 - 25.02.2020

 

Da ist er, der letzte Urlaubstag bevor es am nächsten Morgen 4:00 zum Flughafen geht. Das sind Zeiten, wie ich sie liebe... Das Hotel war aber grandios und hat mir sogar um diese Zeit den Speisesaal geöffnet, um mir ein Frühstück bereitzustellen. Wahnsinn...

 

Der letzte Tag führte mich wieder zurück nach Reykjavik und später in die Nähe von Kevlavik zum Hotel. In Reykjavik gibt es etwas außerhalb der Innenstadt die Möglichkeit auf das Dach des Perlan (Warmwasserspeicher) zu laufen, um von dort aus über ganz Reykjavik zu schauen. In der Stadt selber war ich diesmal nicht. Ich wollte lieber noch etwas die Ruhe im und am Hotel genießen und mir etwas die Füße vertreten. Das tat ich dann auch und trank noch ein letztes Mal einen Kaffee und aß ein Stück Kuchen auf der Insel. Auch eine kleine Herde von Islandpferden stand in der Nähe vom Hotel und ließ sich bereitwillig fotografieren.

 

Die 14 Tage auf Island haben mir wieder gezeigt, warum ich diese Insel so liebe. Es ist nicht dasselbe, alleine unterwegs zu sein. In den abgelegenen Ecken trifft man auch kaum jemanden, mit dem man sich mal austauschen kann. Was auch mal ganz schön ist, weil man dann komplett bei sich ist. Ich habe neben der Fotografie sehr viel Musik gehört und auch mal gelesen. Dazu nehme ich mir zu Hause kaum Zeit.

 

Was soll ich schreiben, außer, dass ich wiederkommen werde. Das verhindert dauerhaft auch kein Corona... :-)  

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Kommentare: 1
  • #1

    Petra (Dienstag, 01 Dezember 2020 20:55)

    Bewundernswert - die Reise ist ja schon ein paar Tage her, dass Du Dich jetzt noch zum Bericht aufraffen kannst. Wie immer sehr lesenswert. Und der Duschvorhang - lol.

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