Eigentlich hatten wir uns schon auf unseren alljährlichen Urlaub im All-Inclusive-Hotel irgendwo am Mittelmeer, der türkischen Rivera oder am Roten Meer gefreut. 3 Wochen nichts weiter machen, als die vorhandene Körpermasse weiter zu vermehren. Doch dann kam dieses knopfäugige Monster und sagte: “Euern Scheiß könnt ihr alleine machen! Ich will nach Island!” Tja, was soll man da machen, wenn er einen so anschaut, wie einen nur ein großäugiger Plüschfrosch anschauen kann. Also wurde Island geplant. Die Badehose wird gegen nen kratzigen Wollpulli getauscht und die Sonnencreme gegen norwegische Hautcreme.

So sind wir für die 24 Tage auf Island mit ca. 2500 km Fahrtweg und 15 unterschiedlichen Übernachtungen, die sich meist in kleinen rudimentären Hütten mit Gemeinschaftsbad befinden, gewappnet.

Wenn die Zeit reicht und meine Nerven es zulassen, wird es vor dem Abflug noch ab und an ein Update geben. Ansonsten dann erst wieder auf Island. Wenn nicht die Trolle und Elfen die fast überall vorhandene Internetleitung blockieren, wird dieser Blog reichlich gefüllt werden.


“Ich brauche doch kaum etwas. Es sind doch nur ein paar Badehosen, zwei bis drei  Broschüren und die Goldkugel, mit der ich die Elfenprinzessin anlocken kann.” sagte der feine Herr Frosch, als ich ihn aufforderte, seine Sachen selbst zu tragen. Nun ist der Rucksack gut gefüllt. Anfangs hat man immer das Gefühl, dass das eh nicht alles hineinpasst. Mit etwas Geschick beim Packen werden dann doch die Gesetze der Physik ausgehebelt und man hat die 23 Kilo bis auf das letzte Gramm ausgereizt.

Die Tatsache, dass sich Island scheinbar so sehr auf uns freut, dass es gleich mal einen seiner größten unterirdischen Vulkane zum Freudenfeuer bereit macht, versetzt uns doch etwas in Unruhe. Ich habe die Befürchtung, dass wir einige Tage dann in Düsseldorf am Flughafen ausharren müssen, wenn er noch vor dem Abflug ausbricht. Bei Shirley ist das die grundsätzliche Angst vor unkontrollierbaren Naturgewalten. Also lassen wir uns mal überraschen.

Morgen geht es dann endlich los. Somit wird der nächste Eintrag dann schon auf Isländisch sein.


Endlich da. Der Flug war für isländische Verhältnisse wahrscheinlich ungewöhnlich ruhig. Da wir noch nicht nach Reykjavik geflogen sind, können wir das zwar nicht einschätzen, der Kapitän machte mir aber bei der Verabschiedung und einer kurzen Bemerkung meinerseits den Eindruck, als ob es hätte auch ganz anders kommen können. Man muss auch mal Glück haben.

Aus unserem Airbnb-Zimmer machten wir uns auf, um Reykjavik zu erkunden. Es fiel uns einiges auf:

Die Kirchen haben einen sehr ausgefallenen Baustil. Viele neigen zur Extravaganz.

Die Leute sind wahnsinnig nett und hilfsbereit, aber so einfach von sich heraus und nicht so dämlich aufgesetzt, wie einer, der noch Trinkgeld von dir erwartet.

Sie besitzen eine hohe Toleranz in Sachen Musik. Einmal im Jahr ist großes Festival in Reykjavik und wir waren ungeahnt mittendrin. Dazu gehörte auch die lautstarke öffentliche Darbietung diverser Musikgruppen. Einige davon entsprachen sehr meinem persönlichem Geschmack und ich stellte mir vor, wie man solche Bands auch in Leipzig ins Stadtfest integrieren könnte. Würde bestimmt lustig werden…

Isländer lieben ihr Auto. Zum Feuerwerk suchten wir eine schöne Stelle am Hafen aus, die wir schon zu Zeiten mit Naturlicht gefunden hatten. Als wir dann ca. 15 Minuten vorm Feuerwerk ankamen, stand schon alles voll mit Autos. Alle waren mit Blickrichtung Feuerwerk ausgerichtet. Die Leute lehnten sich in ihren Autos wie im Autokino zurück und genossen das Feuerwerk. Einige ganz Verrückte stiegen auch aus und betrachteten das Feuerwerk unter freien Himmel. 

Für die Anzahl der Einwohner scheint die Stadt riesig zu sein. Alles sehr großzügig bebaut hier.

Fazit des Tages: Sehr angenehme große Kleinstadt.


Tag 2 fing schläfrig an, wurde lebensbedrohlich und endete versöhnlich.

Schläfrig waren nicht nur wir, nach 2 langen Nächten am Stück. Schläfrig sind scheinbar auch die Sonntags-Busfahrer in Reykjavik. Anders lässt es sich nicht erklären, dass der 1. Bus in Richtung Innenstadt erst 11.51 Uhr vom Busbahnhof losfuhr. Um das herauszufinden, waren wir auch so schon 4 Bushaltestellen zu Fuß unterwegs. Beim nächsten Aufenthalt: Zimmer mehr in Stadtnähe buchen!!!

Bedrohlich wurde es dann bei einer kurzen Walbeobachtungstour. Obwohl ich bisher keine wirklich guten Erfahrungen mit solchen Touren gemacht habe (das Preis-Wal-Verhältnis war jedenfalls bisher miserabel), wagten wir es erneut. Diesmal war das Ziel aber zu überleben. Für die isländischen Bootsfahrer sicherlich Kinderkram war es für uns die absolute Hölle. Man glaubt gar nicht, wie sehr sich ein Boot gleichzeitig nach links und nach vorne und kurz darauf nach rechts und nach hinten hochschaukeln kann. Jetzt haben wir ein Bild davon.

Versöhnlich war dann der Abendspaziergang durch Reykjavik. Es ist einfach nur angenehm, hier zu schlendern, die liebenswürdigen Kleinigkeiten zu erspähen und sich von der Stadt treiben zu lassen.

Fazit des Tages: Tag zwei alles dabei.


Und endlich wird die Großstadt links liegen gelassen. Reykjavik ist Geschichte und der Golden Circle ist Gegenwart.

Bisher war es dem Initiator dieser Reise zu trocken, um sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dieser Tag war dann endlich so, wie er sich die feucht-fröhliche Reise durch Island vorgestellt hatte. Es regnete. Mal regnete es wenig, mal etwas mehr als wenig und dann auch mal ordentlich. Der Wechsel von einem Zustand zum nächsten geschah meistens innerhalb von Sekunden. Immer, wenn man mal dachte, jetzt hat es sich, ging es wieder von vorne los. Vor allem die Kamera schluckte ordentlich Wasser an diesem Tag. Somit konnte ich endlich mal testen, ob sie wirklich wasserabweisend ist, wie Canon bewirbt. Wenn es keine später einsetzenden Langzeitschäden gibt, kann man ihr diese Fähigkeit zusprechen.

Was man alles auf dem Golden Circle bestaunen kann, darf gerne bei Wikipedia nachgelesen werden. Ich möchte nur auf zwei Sachen eingehen.

Ein Geysir, so spektakulär er auch seien mag, ist nur dann auf dem Foto ebenso spektakulär, wenn er sich vom Hintergrund abheben kann.

Der Gullfoss ist der spektakulärste Wasserfall, den ich bisher in meinem Leben gesehen haben. So eine ungefilterte Naturgewalt ist einfach unbeschreiblich. Die Niagara-Fälle konnten diese Bewunderung nicht in uns auslösen. Ein Bild von ihm konnte schon bei Facebook bestaunt werden. Die, die da nicht ihr Unwesen treiben (meine ehrliche Hochachtung), müssen auf einen Bildervortrag warten. Ist ja auch viel persönlicher.

Zum Abschluss bleibt noch festzuhalten. Verkauft niemals am gleichen Tag, an dem ihr in den Urlaub fahren wollt, etwas bei Ebay. Verschickt es noch 5 Minuten vorm Abflug. Dann werdet ihr auch nicht von Paypal belästigt, dass der an euch überwiesene Betrag unberechtigt von einem fremden Paypalkonto überwiesen wurde…


Regen macht die Erde nass und unsere Gemüter schwermütig. Ich wüsste gar nicht, auf welch komische Gedanken ich kommen würde, wenn ich 2/3 meiner Zeit nur mit solchem Wetter verbringen müsste. Die Hoffnung am Geysir und am Gullfoss noch einmal ohne grau in grau verweilen zu dürfen, zerschlug sich schon bei der morgendlichen Abfahrt von der Übernachtung.

Die Rettung vom chronisch wetterbedingten Trübsinn kam dann doch recht unerwartet. Wir fuhren zur nächsten Übernachtung über eine sogenannte F-Straße (Hochlandstraße nur für 4x4 Autos). Es fing recht trostlos an, wurde dann über die Zeit aber so abwechslungsreich, wie wir uns es nicht hätten vorstellen können. Das Highlight kam, als vor dem Gletscher die Sonne die Wolken beiseite schob und der noch vorhandene Regen einen Regenbogen zauberte. Die Fahrt über die Kaldidalur hatte uns wieder Leben eingehaucht. Da es auch nicht noch einmal regnete an diesem Tag, blieb die Energie bis zum Tagesende bestehen.


Wenn man einen Ort gefunden hat, an dem man sich wohlfühlt, merkt man das sofort. So ging es uns in Fljotstunga. Eine kleine Hütte, mit allem was man braucht, den Blick über ein riesiges Lavafeld, viel Ruhe, nette Gastgeber und viel zum Erkunden waren die Parameter, die dieses Gefühl in uns hervorgerufen haben. Da wurde uns auch wieder bewusst, wie wichtig der Ort ist, an dem man nach einer langen Tagestour heimkehrt. Zwar schläft man meist nur dort und verbringt den Rest der Zeit woanders, aber wenn man schon mit einem schlechten Gefühl vom Erkunden zurückkehrt, verblasst auch oft das bis dahin erlebte.

Hier hatten wir jedenfalls 2 super Tage. Die Sonne hat sich gezeigt und wir konnten auch weg von den normalen Wegen erkunden und umherfahren, bis es dunkel wurde. Und das ist hier noch weit später, als zu Hause.


Sich von dem wieder zu entfernen, was man gerade in sein Herz geschlossen hatte, ist auf so einer Tour immer wieder ein Balanceakt. Mir fällt dies meist nicht so schwer, weil für mich die Neugierde auf etwas Neues im Vordergrund steht. Bei Shirley ist das meist schwieriger. Aber irgendwann wird dann wieder nach vorne geschaut. Spätestens wenn man im Supermarkt steht und wieder viele Leckereien vor sich hat, die man noch nicht probieren konnte.

Hier muss ich den Isländern mal ein dickes Lob aussprechen. Oftmals ist das Essen der nordischen Inselvölker doch etwas gewöhnungsbedürftig. Das gilt bei einigen Sachen auch für die Isländer (ich sage nur Gammelhai). Aber ich kann mich an kein Land außerhalb des deutschsprachigen Raums erinnern, das ich bereist habe, wo es so leckeres Schwarzbrot gibt. Ansonsten hat man ja meist nur so einen weichen Pappmist, den man auch noch Essen könnte, wenn man keine Zähne mehr hat. Hier gibt es krustiges vorzügliches Schwarzbrot. Dafür DANKE!


Heute einmal kurz zum aktuellen Aufenthaltsort: Wir sind jetzt in den Westfjorden und zwar genau in Breidavik. Eigentlich war hier unser Ansinnen, Papageitaucher zu sehen, da sie hier in großer Zahl vorhanden sein sollten. Sie wären wohl auch sehr zutraulich und würden ohne weiteres Zutun mit ihrer ganzen Familie vor jeder Kamera posen. Leider sind diese kleinen süßen Zeitgenossen nur bis Mitte August zu bestaunen. Damit bleibt uns nur die Klippe ohne Vögel zu erkunden. Ich habe auch kein Bild von unserem Schottland Urlaub mit dabei. Da hätte ich sie ausgedruckt und schön im Gras positioniert.

Schon die Snaeffelsness Halbinsel war wesentlich dünner besiedelt als das Gebiet um Reykjavik. Die Westfjorde stellen dies aber noch gewaltig in den Schatten. Ab und an kommt einmal eine Ansammlung von weit verstreuten Häusern, aber meistens ist man mit sich allein. 

Noch was in eigener Sache. Vielleicht fragen sich einige, warum kaum mal blauer Himmel auf den Bildern zu sehen ist. Nun das liegt daran, dass ich immer warte, bis der blaue Himmel, der hier zu 90 % und dann auch meist wolkenlos vorhanden ist, durch ein paar dünne Wolken überzogen wurde. Es glaubt einen sonst ja keiner, dass man im wettertechnisch unbequemen Island ist. Für die Bilder mit einem Fatz blauem Himmel entschuldige ich mich, das Essen war fertig.


Europa stockt der Atem. Bricht dieser Vulkan nun aus oder nicht. Lustigerweise scheint das außerhalb von Island mehr Leute zu interessieren, als auf Island selber. Wir sind zwar derzeit recht weit weg vom Geschehen, dennoch merkt man, dass das Thema hier scheinbar nicht ganz so heißt gekocht wird. Man möchte sich zwar nicht vorstellen, was passiert, wenn er wirklich ordentlich losdonnert, aber alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen, jetzt heißt es: Abwarten. Wir versuchen uns davon nicht weiter beeinflussen zu lassen. Wenn wir mehr in die Nähe dieser Gegend kommen, werden wir schon beim Weiterfahren gehindert werden, wenn es nötig ist. 

Neben der fehlenden Möglichkeit Vulkanausbrüche wirklich vorhersagen zu können, scheint dies hier auch auf das Wetter zuzutreffen. Ist die Wettervorhersage bei uns vielleicht auf 2 - 3 Tage vertrauenswürdig, trifft das hier vielleicht auf eine Zeitspanne von einem halben Tag zu. Und auch innerhalb dieser Zeit ist es möglich, dass es in der Nähe eines Berges regnet und einen Berg und vielleicht 10 km weiter die Sonne scheint. Auch hier versuchen wir uns nicht verrückt machen zu lassen. Bisher ging es immer irgendwie. Zur Not wird halt in den Ganzkörpergummianzug geschlüpft und bis auf einen Schlitz für die Augen alles wasserdicht verpackt.

Heute war wieder ein Tag, der einem zeigt, warum man das alles auf sich nimmt. Die Natur, die auch schlecht zu einem sein kann, kann einem aber auch soviel zurückgeben. Wir sind zufrieden und glücklich. Bis zum nächsten SturmRegenVulkanausbruch…


Die Fahrt in die Westfjorde, welche nicht gerade auf dem Weg lag, war eine sehr gute Entscheidung. Die Fjorde sind in ihrem Ausmaß genauso gigantisch, wie die Basaltberge, die diese begrenzen. Immer wieder kommen auch unberührte Sandstrände zum Vorschein. Leider ist meine Badehose ganz weit unten im Rucksack, sonst…

Es wäre nicht auszudenken, wie unser Herz hier höher springen würde, wenn wir auch mal richtig gutes Wetter hätten. Man wird genügsam und ist schon froh, wenn es nicht querregnet oder - wie heute - die Windböen einen mitten im Laufen stehen bleiben lassen. Zum Glück war der Wind nicht immer so stark wie heute. Da wird einem schon echt mulmig im Auto, wenn man seitlich einen ordentlichen Hieb bekommt.

Ansonsten kann man nur festhalten, dass man immer wieder denkt, man hat alle Kombinationen aus Wasser, Klippe, Meer, Schaf, Kirche und Strand gesehen und es könne gar nichts Neues mehr kommen und biegt um die nächste Klippe und staunt erneut über das, was man gerade vor sich sieht. So kann es weitergehen!


Der letzte Ritt durch die Westfjorde liegt hinter uns. Dann ist dieses Kapital Islands schon abgeschlossen. Es brachte von allem etwas. Die Landschaft war großartig. Es wäre nicht auszudenken, wie viel Zeit wir benötigt hätten, wenn die Sonne sich öfter hätte blicken lassen. So wurden wir einmal ordentlich vom Wind getrieben, die Wolken waren bis auf wenige Ausnahmen unser ständiger Begleiter und die Schotterstraßen führten immerhin dazu, dass man nicht am Steuer einschlafen konnte und die Böschung herunterstürzte. Wenn man den richtigen Winkel bei der Einfahrt in eine Ansammlung an Schlaglöcher fand, konnte man auch fast ohne größeres Gerumpel darüber fahren. Doch wenn nicht…

Was bisher auch auffiel, ist, dass es in Island mehr Kirchen zu geben scheint, als Wasserfälle. So besitzt jede noch so kleine Ansammlung an Häusern eine eigene Kirche. Die meisten sehen sich sehr ähnlich, sind im Detail aber dann dennoch verschieden. Jedenfalls kommen wir kaum an einer vorbei, ohne sie zu fotografieren und - wenn möglich - von Innen zu begutachten. Vielleicht mache ich ja ein Bildband nur mit Kirchen. Ist bestimmt sehr aufregend.


2000 Kilometer im Auto liegen jetzt hinter uns. Was ist noch offen auf der Liste der Sachen, die man fest auf seiner Wunschliste eingebrannt hatte. Ganz oben auf der Liste stehen die Polarlichter. Um Polarlichter sehen zu können, benötigt man in aller erster Linie einen klaren Himmel. Damit ist auch klar, dass dieser Wunsch noch 12 Tage hat, um in Erfüllung zu gehen.

Die Gesichte mit den Puffins wurde ja schon erläutert und ist damit abgehakt. Vielleicht verirrt sich ja so ein kleiner Kerl mal aus Versehen an eine Stelle, an der wir auch zufällig gerade vorbeikommen. Träumen darf man ja.

Irgendwie war ich auch der Annahme, hier den geilsten Sternenhimmel seit einer ungewollten Nachtwanderung im Süden Irlands bestaunen zu dürfen. Dieser Wunsch ist aus zweierlei Gründen noch nicht erfüllt. Erstens: Siehe oben unter Polarlichter. Zweitens: Hier wird es auch in der Nacht erst recht spät (so gegen 1.00 Uhr) so dunkel, dass man Sterne sehen könnte.  

Da ist also noch Luft nach oben.

weitere Punkte:

geile Landschaft (check)
Ruhe und Frieden (check)
Wasserfälle (check)
Isländer (check)
Robben (check)
Regen, Sturm und was einen sonst so freut (check)
Glücksgefühle (check)
usw…


Auf den Westfjorden hatten wir einen älteren Fotografen getroffen, der für einen größeren Verlag unterwegs war, um gezielt Bilder für diverse Reiseführer zu fotografieren. Dabei kam uns eine Islandbilderserie von ihm in die Hände. So beim Durchblättern kam man ab und an zu Landschaften, die man auch schon gesehen hatte und versucht hatte abzubilden. Die Bilder hatten eine herausragende Qualität. Wenn man dann so die eigenen verglichen hatte, dachte man sich schon: Da ist noch Luft nach oben. Man sieht zwar die Fortschritte, die man allmählich macht, ob man in solche Bildregionen mal vorstoßen wird, bleibt aber fraglich. Neben den handwerklichen Fähigkeiten, die man sich mit der Zeit erarbeiten kann, dem Blick für das Motiv und dem Auge für die gelungene Perspektive gibt es noch weitere Faktoren, die man nicht erzwingen kann.

Die zwei wichtigsten Faktoren heißen Licht und Zeit. Die Möglichkeit nur auf dieses ganz bestimmte Licht warten zu können, zu wissen, wann die Stunde X kommt, die genau das Bild möglich macht, was ich festhalten möchte. Man wäre in erster Linie unterwegs, um zu fotografieren.

Da das Fotografieren für die Mitreisenden, die nicht fotografieren, doch eine gewisse Geduldsprobe darstellt, muss man versuchen hier eine ordentliche Balance zu finden. Ob dies immer gelingt, kann mit Sicherheit nicht der Fotograf beurteilen.


Derzeit verbringen wir 4 Tage in der Nähe von Myvatn bei einer siebenköpfigen Familie auf der Farm. Unser Ziel ist es, soweit es geht, etwas von den Menschen im Land, welches wir bereisen, mitzubekommen. Auf dieser Farm ist das wie von 0 auf 100. Die älteste Tochter begrüßte uns. Wir unterhielten uns ein wenig (die Kinder lernen hier sehr früh und auch sehr gut Englisch). Dann wurden wir gleich zum Melken in den Kuhstall eingeladen. Nach dieser Prozedur gab es eine Führung durch den Kuhstall. Alle Kühe haben einen Namen und einen besonderen Charakter wurde uns versichert. Als Bonus wurde uns dann noch der letzte Wurf der Hündin gezeigt. 8 Stück waren es. So in dieser Form haben wir das auch noch nicht erlebt. Es ist auch erst einmal immer etwas komisch, sich in fremden Häusern zurechtzufinden. Scham ist da in den meisten Fällen fehl am Platz. Die Leute, die ihr Heim zur Verfügung stellen, geben auch ein wenig ihrer Privatsphäre auf. Nehmen dies aber gern in Kauf. Bei einem sieben Personen Haushalt spielt das aber vielleicht auch keine Rolle mehr. Uns gefällt es hier ausgesprochen gut, auch wenn vielleicht nicht alles so schön steril ist, wie in einem 5 Sterne Hotel. Die Gespräche und die Tipps vom Hausherren sind es aber wert.


Die Geschichte mit den Polarlichtern treibt uns hier noch langsam in den Wahnsinn. Vor 3 Tagen stand am Morgen in einer Unterkunft eine Australierin in der Küche und rief mir noch halb verschlafen entgegen: I have seen them. Ok, dachte ich mir. Schön für dich, aber worum geht es eigentlich. Dann rückte sie mit der Sprache raus. Northern Lights! Lustiger- oder eher dummerweise taten wir, nach dem wir gesehen hatten, dass der ganze Ort mit Wolken bedeckt war, dieses Thema für uns ab. Noch schlimmer war aber, dass sie die ersten Lichter gegen 0:00 gesehen hatte. Zu dieser Zeit war ich noch munter gewesen. Also hätte die Möglichkeit bestanden, dass wir dieses Naturschauspiel auch sehen. Dass die Dame sie dann noch gegen 1.30 Uhr ein zweites Mal sah, nahm ich zur Kenntnis.

Bei der nächsten Übernachtung, auf der Farm, war die Chance, sie zu sehen, sehr hoch. Es war sonnig gewesen, der Himmel war in der Nacht aufgerissen, es gab wenig Lichter in der Umgebung und es wurde recht frisch. Shirley verbrachte die Zeit bis 1.00 Uhr mit der Suche nach ihnen. Doch sie ließen sich nicht blicken. Aufbauend für sie war nur, dass ich, ich schlief schon, wie vom Blitz getroffen hochsprang, als ich Shirley zweimal beim Pst-Pst-Machen hörte. Ich rannte orientierungslos zum Fenster. Doch da war nix. Wie sich rausstellte, war es auch nicht Shirley, sondern der Hund, der an der Tür kratzte.

Wie man sieht, hält uns dieses must-have-Ereignis ganz schön auf Trab.


Eigentlich war dieser Tag schon geschrieben. Beim Hochladen dachte sich dann aber irgendwas in der Kette zwischen meinem Notebook und dem tumblr-Server, dies zu boykottieren. Vielleicht war es auch besser so. Nach unserem zweistündigem Ausflug in der Nacht haben sich noch 2 i-Tüpfelchen auf diesen Tag gesetzt, die ihn absolut perfekt gemacht haben. Aber von vorne…

Die Sonne schien mal wieder in unser Fenster. Der Frühstückstisch war perfekt von der mittleren Tochter des Hauses gedeckt. Die Tour durch das Hinterland begann zwar etwas verzögert, da wir anfangs die falsche Straße ins Hochland gewählt hatten. Die richtige führte uns dann in ein unberührtes Gebiet mit heißen Quellen. Hier war niemand außer uns und es quackerte und brodelte vor sich hin. Den Geruch muss man sich für die Zeit einfach mal wegdenken. 

In Husavik ging es dann auf Waltour. Nach diversen Anläufen in unserem Leben, Wale aus der Nähe von einem Boot aus zu sehen, war dies ein weiterer Versuch, damit glücklich zu werden. So nah wie hier hatten wir Wale noch nie auf offener See gesehen. Es war zwar immer der selbe Buckelwal. Dieser kam aber bis zu 2 Meter an das Boot heran. Er ließ sich auch immer genügend Zeit beim Auf- und Abtauchen, so dass man ihn hervorragend ablichten konnte.

Zurück auf der Farm wurde gegrillt. Die Familie erweiterte sich noch um den Bruder der Gastgeberin mit Frau, die Eltern der Gastgeberin und zwei weitere Kinder. Alle waren total freundlich und liebenswert. Ach das Essen war auch super.

Zum Abschluss des Tages fuhr dann die ganze Familie gegen 22.00 Uhr einige Kilometer Richtung Vulkan, um ihn aus der Ferne leuchten zu sehen. Wir hätten mitfahren können. Ich musste dies dankend ablehnen, da ich schon wusste, das wird bei diesem Trip etwas länger brauchen würden, als sie bereit gewesen wären, auf uns zu warten.

Dann sahen wir also den Vulkan aus der Ferne, über den alle reden. Anfangs leuchteten die Wolken über ihm nur etwas rot. Es wurde aber mit zunehmender Dunkelheit immer intensiver. Mordor ließ grüßen. 

Als wir uns vom ersten Stopp weiter Richtung Vulkan aufmachten, sah ich leichte wolkenähnlich Schwaden links von mir, die so gar nicht in die Wolkenformationen passten. Ich hielt panisch an und sprang aus dem Auto. Nordlichter! Dass wir diese noch zu Gesicht bekommen, hätten wir nicht gedacht. Sie begleiteten uns die ganze Nachttour und wurden teilweise recht stark und sehr weitläufig. Gar nicht vorzustellen, wie die im Winter aussehen.

Besser kann ein Tag gar nicht verlaufen. Mal sehen, was heute der Tag bringt.


Nirgends habe ich die Kraft der Natur so spürbar erlebt wie in Island. Damit meine ich nicht, ob es mal ordentlich regnet oder die Sonne scheint. Es geht um die vulkanische Energie oder auch die des Wassers. Heute haben wir mit dem Dettifoss einen der mächtigsten Wasserfälle in Island besucht. Was hier für eine Urgewalt durch die Unmengen an Wasser ausgelöst wird, welches hier dauerhaft den Canyon herunterkommt, ist einfach unbeschreiblich. Solche Urgewalten lassen sich auch nur schwer (wenn überhaupt) im Bild festhalten. 

Nun befürchten die Isländer, dass die Lavamassen, die beim derzeitigen Vulkanausbruch austreten, den Flusslauf des Ursprungsflusses des Dettifoss´ so verändern, dass er verstummen könnte. So einen natürlichen Eingriff in vorhandene Gegebenheiten kann man sich in unseren Landen gar nicht mehr vorstellen. Da muss schon der Mensch ins Handwerk fuschen, damit größere Veränderungen stattfinden.

Diese vulkanischen Aktivitäten, die in Island an jeder Ecke zu spüren sind, sei es an heißen und stinkenden Quellen oder an den unzähligen natürlichen Hotpots, machen Island aber auch zu einem der unabhängigsten Länder der Erde. Sie brauchen bei der Energiegewinnung keine fremden Ressourcen. Wenn sie in der Lage wären, ihre Autos mit der vorhandenen Energie zu versorgen und den Kreislauf der Ölmafia zu durchbrechen, wären sie das reichste Land der Welt.

Aber immer auch das gefährlichste…


Heute sind wir nun erst einmal aus dem Gebiet herausgefahren, welches recht unmittelbar bei einer möglichen Sturzflut durch einen Vulkanausbruch betroffen wäre. Etwas beruhigter waren wir dann schon, als wir die Brücke überquerten, die uns weiter Richtung Osten brachte und bei einer Flut mit großer Sicherheit weggespült worden wäre.

Als wir dann in Seydisfjördur ankamen und einen Kaffee zu uns nahmen, lief so nebenbei Musik und mir fiel auf, dass man doch einige Kleinigkeiten mit der Zeit, die man auf Reisen ist, vermisst. Es geht nicht um die großen Sachen, wie Familie, Freunde usw. Es sind mehr die kleinen Sachen, die zu Hause selbstverständlich sind.

Musikhören gehört ganz klar dazu. Ich höre sonst bei jeder Gelegenheit Musik. Im Urlaub dann so gut wie gar nicht. Umso mehr freut man sich dann wieder auf seine Liste mit Lieblingstitel.

Was gar nicht fehlt, ist Fernsehen. Es reicht schon, dass man sich im Urlaub mit dem Vulkan beschäftigen muss. Auf die ganzen weiteren Katastrophenmeldungen kann man gerne verzichten.

Obwohl wir hier recht gut schlafen, ist das eigene Bett dennoch immer wieder eine Freude nach so langer Zeit. Irgendwie schläft es sich da doch anders oder man wird einfach nur alt.

Shirley´s größte Sorge besteht in erster Linie darin, dass sie nix vernünftiges oder nicht genügend zu essen bekommt. Daher wird schon vor Beginn der Reise eine Riesenportion mit Kohlrouladen beim elterlichen Haushalt bestellt. Laut neuesten Informationen wurde für die Ankunft nach diesem Urlaub voller Entbehrungen eine noch größere Ration von Rouladen vorbereitet.

Da ich derzeit nicht einmal den Fußball vermisse, scheint dieser Urlaub doch gar nicht so übel zu sein. Jetzt geht es in die letzte Woche und die verspricht noch einige Highlights. Dann kann man sich auch langsam wieder auf die Sachen freuen, die man hier nicht hat.


Bisher gab es fast jeden Tag einen AHA-Effekt oder etwas, was man so in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Heute gab es gleich beides. So fuhren wir fernab der Ringstraße eine Abkürzung durch das Hochland. Es sollte eine Straße mit sehr schönem Ausblick sein. Ich glaube es war die 939. Als wir die ersten Meter gefahren waren, hielt ein entgegenkommendes Auto, für das wir an die Seite gefahren waren, um es vorbei zu lassen, an. Eine ältere Frau öffnete das Fenster und meinte nur recht aufgelöst: Foggy road. Sie wiederholte es mehrfach und nachdrücklich und dachte wahrscheinlich, dass sie uns damit zum Umkehren bringen würde. Aber jedes Unglück muss man erst selbst erleben, damit man es dem Anderen glaubt. Also weitergefahren und was soll man sagen, es wurde foggy. Es wurde so foggy, dass wir keine 20 Meter mehr schauen konnten. Jetzt hätte die Straße noch besonders steil und mit Abgrund auf der rechten Seite seien müssen, dann wäre das Grauen perfekt gewesen. Wir kamen sicher am anderen Ende an, entschlossen uns aber, niemanden darauf hinzuweisen. Hätte eh keiner darauf gehört.

Der AHA-Effekt bestand heute in der beeindruckenden landschaftlichen Darbietung. Wir sind nun im Süden angekommen. Hier ist Gletschergebiet. Jede kleine Bergschlucht ist mit eigener Gletscherzunge ausgestattet, die bis einige hundert Meter zur Straße hinabkommen. Eine Bergstraße zum Gletscher hoch setzte diesem Treiben noch eins drauf, in dem man eine Weile parallel zur Gletscherzunge fuhr. Dieses Bild, als man das erste Mal über die Straßenkuppe kommt und auf den Gletscher schaut, ist unvergesslich. Die Eismassen, sind sie auch nicht die saubersten, erzeugen immer wieder ein wenig Ehrfurcht und Gänsehaut.

Zum Abschluss des Tages trieben dann noch ein paar hellblaue Eisblöcke in das Meer. Gesäumt von den meisten Fotografen, die wir bisher an einer Sehenswürdigkeit in Island gesehen haben. Wir reihten uns ein.


Manchmal nimmt man sich für den Tag etwas vor und manchmal kommt es dann ganz anders. Heute waren 2 Wanderungen im Skaftafell-Nationalpark geplant. Diese wurden aber nicht, wie anfangs angedacht, vormittags absolviert, sondern später am Abend. Grund dafür waren, dass wir nicht tanken konnten und ich die Nummer für meine Kreditkarte im Hotel hatte und ich den Akku für den Fotoapparat noch im Ladegeräte auch im Hotel gelassen hatte. Das mit dem Benzin hätten wir noch überbrücken können, aber ohne zweiten Akku und der andere war fast alle… Niemals!!!

So haben wir die ganzen Gletscher, die wir gestern bei sehr wolkigen Wetter gesehen hatten, noch einmal bei Sonne genießen können. Wie die Zeit verrennt, wenn man von einer grandiosen Aussicht zur nächsten reist, ist unbegreiflich. Man kann sich teilweise von gewissen Plätze nicht mehr losreißen, weil sie einen so faszinieren.

Was sich im Süden Islands aber schlagartig geändert hat, ist die Masse an Mitreisenden. Diese ist explosionsartig angestiegen. Hier hörten wir uns mal wieder sagen: Im Sommer möchte ich das hier aber nicht erleben. Ebenso hat sich die Art der Fahrzeuge verändert. Im Westen und Norden waren es noch sehr oft 4x4 Autos. Hier dominiert der gemütliche Kleinwagen. Viele kommen scheinbar nach Island, um die ganze Insel in 7 - 10 Tagen zu umrunden und absolvieren dabei ein echtes Horrorprogramm. Um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, ist dies vielleicht nicht schlecht. Empfehlen würde ich es nicht. Es kann ja auch mal sein, dass man eine Woche dem schlechten Wetter hinterherfährt und dann hat man einen ganz falschen Eindruck von dieser Insel.


Nach dem wir nun etliche Gegenden in Island durchstreift hatten, bin ich mir ganz sicher, dass Herr Tolkien seine Hobbit und Herr der Ringe - Geschichten im Anschluss an eine Island-Reise geschrieben hatte. Eigentlich hätte Peter Jackson die Verfilmung auch in Island drehen müssen. Über Mordor hatte ich schon geschrieben. Für den Schicksalsberg hätte sich eine Ausschreibung angeboten, bei der riesigen Anzahl von Vulkanen, die dafür in Frage gekommen wären. Die Hobbit-Höhlen sind hier auch schon vorhanden. So haben die Isländer schon seit Jahrhunderten in niedrigen mit gras-bewachsenen Häusern gelebt.

Nirgends habe ich bisher so eine Verflechtung der Landesgeschichte mit den Geschichten von Trollen und Elfen erlebt. So wurde ernsthaft eine Kirche verlegt, die hätte aufgrund eines Straßenbauprojekts zerstört werden sollen, weil es eine Elfenkirche ist. Grundstücke werden erst bebaut, wenn vorher ein “Gutachter” das Grundstück auf positive und negative Energien überprüft hat. Wenn hier nicht Fantasien gelebt werden, weiß ich auch nicht.

Da ich keine barfüßigen Isländer gesehen habe, kann ich nicht beurteilen, wie es da um die Behaarung steht. Von der Figur könnten einige aber als Hobbit in Frage kommen.


Im Süden ist der Tourismus schon ganz schön am Beben. Die Isländer haben seit der Finanzkrise einen erheblichen Anstieg an Touristen zu verzeichnen. So war die Zahl in den letzten Jahren von ca. 300.000 auf 1.000.000 gestiegen. Sie sind darauf natürlich auch stolz und das können sie auch sein. Immerhin stämmen in Island um die 300.000 Einwohner die Herausforderungen, die ansonsten von mehreren Millionen Menschen gestämmt werden müssen. Island muss meines Erachtens dabei aber stark aufpassen, nicht seine Identität zu verlieren.

Island ist schon recht teuer. So bekommt man ein Doppelzimmer mit Privatbad erst ab ca. 120,00 Euro aufwärts. Ansonsten muss man mit Gemeinschaftsbad vorliebnehmen. Dann ist man immer noch bei einem Preisniveau, welches ansonsten bei uns für ein gutes 4-Sterne-Hotel bezahlt werden muss.

Dafür sind erstaunlicherweise die Naturschauspiele zum größten Teil kostenlos. Wasserfälle, Nationalparks, die Geysir-Gegend und vieles mehr kosten nichts. Doch das wackelt wohl bedenklich. So sind auch in Island viele findige Geschäftsleute unterwegs, die versuchen mehr Geld zu erwirtschaften und alles zu kommerzialisieren.

Hier kommt Island dann aber die geringe Anzahl der Einwohner wieder zugute, da Demokratie in Island noch sehr direkt funktioniert. Hier werden Sachen noch angegangen und auch geändert, wenn die Mehrheit der Leute es nicht umgesetzt haben will. Dafür sind sie wirklich zu beneiden.

 


Immer wieder erwischt man sich dabei, unrealistisch zu sein. Bei mir tritt dieser Zustand ganz oft bei der Vorstellung ein, einen ganz besonders ruhigen und unberührten Ort aufzusuchen. Das letzte Mal kam diese Vorstellung in Argentinien vor. Wenn man an Feuerland dachte, stellte man sich unberührte Natur, Ruhe, Einsamkeit, Unwegsamkeit und Herausforderung vor. Einiges davon traf zwar zu, aber es war doch alles mehr zivilisiert, als man sich das wünschte.

In Island hatte ich dieses Gefühl vorher auch wieder und auch hier musste ich doch feststellen, dass man nicht so alleine auf der Welt ist, wie man manchmal möchte. Beispielhaft dafür war ein abgelegener Hotpot in den Bergen. Von diesem hatte ich in einem Buch gelesen. Interessiert an dieser Örtlichkeit habe ich das Internet bemüht und stellte fest, dass sich Bilder und Beschreibungen zu diesem Hotpot in Grenzen hielten. Dies mehrte natürlich dieses “außer mir findet das keiner”-Gefühl. Dieses änderte sich schlagartig, als wir zum nahegelegenen Parkplatz kamen. Außer uns schienen auch andere diesen wertvollen Tipp bekommen zu haben. Wir stapften dann dennoch die zwanzig Minuten zum Hotpot hinauf. Dies war auch gut so. Der Hotpot war eher eine Swimmingpool und die Anzahl der Besucher überstieg nicht die Zahl von 8. Das Gefühl dann bei 10 Grad Außentemperatur mitten in den Bergen schwimmen zu gehen, war dann großartig. Dies änderte sich erst wieder beim Abtrocknen im Freien.


Der letzte, vollständig nutzbare Tag war nicht mein Tag. Ich weiß nicht, woran es lag. Entweder werde ich krank oder es ist die Urlaubsmüdigkeit. Man ist ja auch ganz ordentlich unterwegs die ganze Zeit. Das merkt man dann am Ende des Tages in Kopf und Körper. Diesmal führte es bei mir aber soweit, dass ich ab Mittag total breit war. Zum Glück kamen wir von der volleren Ringstraße ab und hielten in einem total idyllischen kleinen Hostel, welches von oberhalb genau ins Tal schaute. Durch die Berge vor und hinter der Herberge wurde eine interessante Wetterlage erzeugt. Der Berg vor uns war in weiße Wolken gehüllt, der Berg hinter uns in schwarze Wolken und in der Mitte war Sonne und blauer Himmel. Dies ergab natürlich einen hervorragend Kontrast für´s Fotografieren. Dazu hatte ich dann tatsächlich nach kurzem Nachmittagsschlaf wieder Lust. Shirley genoss die ganze Zeit die Sonne und beobachtete den Schafabtrieb, der derzeit im ganzen Land im Gange ist. Die Lautstärke von einigen tausend Schafen ist auch nicht zu verachten.

Der Platz wurde dann zum Abend noch besonderer. Es kamen noch drei Geologen aus England und Schottland und wir saßen am Lagerfeuer unter einer windgeschützten Konstruktion. Diese war auch notwendig, da der Wind doch deutlich zugenommen hatte. Aber scheinbar bekommt man das auch nur als Tourist mit. Als Einheimischer nimmt man den Wind in dieser Stärke gar nicht mehr wahr.


Was zeigt uns die Zeit bis zum Abflug noch einmal ganz deutlich? Island ist immer wieder visuell ganz vorne mit dabei. Viel mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen. Ein Fazit folgt, wenn wir wieder Heimatboden unter den Füßen haben und uns etwas sortieren konnten. Ich hoffe jetzt schon einmal, dass die Faszination dieser Insel ansatzweise vermittelt werden konnte. Wir waren immer wieder berauscht.


Der Alltag hat uns wieder. Es ist immer wieder amüsant zu erleben, dass man ständig durch diverse Veranstaltungen oder Reportagen im Fernsehen an sein letztes Urlaubsziel erinnert wird. Davor hatte man gar nicht das Gefühl, dass da ständig was läuft.

5189 km liegen hinter uns. Wir waren 23 mal tanken und haben dabei ca. 650 Euro vertankt. Wir hatten Regen, Sonne, Sturm, Nebel oder auch einfach nur wolkenverhangenen Himmel. Die Temperaturen kamen nicht über die 16 Grad hinweg und lagen meist um die 12 Grad. Wir haben viele Menschen getroffen. Die meisten waren sympathisch (ich will nicht nett schreiben ;-) ) und die, die uns nicht lagen, haben wir links liegen gelassen.

Unser Urlaub begann mit zwei sehr einprägsamen Sätzen von einem Isländer im Flugzeug. Der erste war:

Island kann der beste Urlaub eures Lebens werden, aber auch der schlimmste.

Der zweite:

Irgendwo scheint hier immer die Sonne.

Beides konnten wir nachvollziehen. Wenn das isländische Wetter seine Muskeln spielen lässt, möchte man nicht da sein. Wenn es sich gemäßigt oder sogar sonnig zeigt, erlebt man eine fantastische und unvergleichliche Landschaft. 

Ob es jetzt der beste Urlaub unseres Lebens war, kann und möchte ich nicht entscheiden. Dafür sind die Ziele zu unterschiedlich und wir sind bisher fast nie enttäuscht worden. Es ist immer etwas anders, als man es sich vorstellt, aber das macht es ja auch so interessant.

Wir kommen wieder. Wann und wie wird sich zeigen.

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